Gesundheit : Richtig Deutsch lernen

Forscher fordern neue Integrationsprogramme

Amory Burchard

Kinder von Migranten müssen möglichst früh vielfältige Möglichkeiten bekommen, Deutsch zu sprechen und zu lernen. Kindergärten und Schulen sollen ihnen helfen, soziale Kontakte zu Deutsch sprechenden Kindern aufzubauen. Und die Kommunen sollen dafür sorgen, dass Wohngebiete, Vorschulen und Schulen ethnisch gemischt sind. In einem Memorandum, das gestern in Berlin vorgestellt wurde, fordern führende Migrationsforscher, dass die staatliche Integrations-Förderung auf entsprechende Programme konzentriert wird.

Die deutsche Sprache akzentfrei zu beherrschen, sei „für den Bildungs- und Arbeitsmarkt von zentraler Bedeutung“, sagt Mitunterzeichner Hartmut Esser, Soziologe an der Universität Mannheim. Hinter dem Aufruf stehen außerdem Wissenschaftler wie der Historiker Klaus J. Bade, Direktor des Instituts für Migrationsforschung an der Universität Osnabrück, der Sozialisationsforscher und Leiter des Instituts für Konflikt- und Gewaltforschung Wilhelm Heitmeyer (Universität Bielefeld) und die Sozialpsychologin Amélie Mummendey (Universität Jena).

Grundlage des Memorandums sind drei Forschungsbilanzen zu Migration, Sprache und Integration, zu zweisprachigem Schulunterricht und zu Sprach- und Integrationskursen für Zuwanderer. Soziologe Esser und seine Kolleginnen von der „Arbeitsstelle interkulturelle Konflikte und gesellschaftliche Integration“ (Aki) am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung fanden dabei heraus: Programme zur sprachlichen Integration, in die heute viel Geld und Energie gesteckt werden, sind weitgehend wirkungslos. So sei der Nutzen der bilingualen Erziehung in der Schule wissenschaftlich nicht nachweisbar, sagt Esser. Die These, dass nur solche Kinder gut Deutsch lernen könnten, die ihre Muttersprache beherrschten, sei nicht haltbar. Einige der internationalen Studien, die die Arbeitsstelle auswertete, stellten allerdings fest, dass bilingual erzogene Migrantenkinder ein höheres Selbstwertgefühl haben. Nach einer holländischen Studie wiederum ist das Selbstbewusstsein gerade der Schüler ausgeprägter, die sehr gut Niederländisch sprechen.

Fragwürdig seien offenbar auch Sprach- und Integrationskurse für Neuzuwanderer, wie sie jetzt auch in Deutschland eingeführt wurden, heißt es. Zwar ergaben Studien in den Niederlanden und in Schweden, dass zwei Drittel der Teilnehmer ihre Kenntnisse in der Landessprache verbessern konnten. Allerdings habe es keine Kontrollgruppen ohne Unterricht gegeben, wendet Esser ein. Auch fehle der Nachweis, dass die Kursteilnehmer erfolgreich in den Arbeitsmarkt integriert wurden. Groß angelegte Integrationsprogramme sollten grundsätzlich von wissenschaftlich fundierten Studien begleitet werden, fordern die Wissenschaftler.

Das Memorandum und die Forschungsberichte im Internet:

www.aki.wz-berlin.de

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