Gesundheit : Richtig schreiben

Wie verfasse ich eine wissenschaftliche Arbeit? Für Erstsemester gibt es viele Hilfen

Benedict Abel

„Die erste Hausarbeit ist nichts, was man mit links macht“, sagt Sebastian Teubner, Psychologie- und Philosophiestudent im 6. Semester an der HU. Die Jura-Studentin Karin Hanke beklagt sich über die fehlende Vorbereitung auf das Schreiben von Hausarbeiten seitens der Uni. Häufig sei sie auf sich alleine gestellt gewesen, Informationsmaterial müsse sie sich selbst organisieren. Zudem gerate man schnell aus der Fassung, „wenn man ständig an den Abgabetermin in zwei Wochen denkt“, sagt Lisa Tellbrügge, die Geschichte und Spanisch im 7. und 8. Semester studiert. Wichtig sei es, erst einmal mit der Arbeit zu beginnen und sie nicht zu lange aufzuschieben.

Doch das ist leichter gesagt als getan. Viele Studenten kennen das Problem: Sie pflegen die für sie eher untypischen Arbeiten wie Abwaschen und Aufräumen gerade dann zu erledigen, wenn sie mit der Hausarbeit oder dem Referat beginnen sollten. Das ist nicht die einzige Hürde, die sich Studenten in den Weg stellt, wenn sie eine wissenschaftliche Arbeit schreiben wollen. Damit die Studenten von vorneherein alles richtig machen und sich beim Verfassen von Hausarbeiten sicher fühlen, unterstützt sie die Universität mit vielen Angeboten (siehe Kasten). Die Universität müsse diese Art von Kursen jedoch noch ausbauen, sagt Doris Köhler vom Career Center: „Wir haben das als Problem erkannt.“

Die Kurse sind darauf ausgelegt, den Studenten das gesamte Handwerk der wissenschaftlichen Arbeit zu vermitteln – von der Vorbereitung bis zur Einhaltung der Formalien. Viele Lehrenden können ihren Studenten Musterarbeiten geben. Zahlreiche Fachbücher geben Tipps. Beispiele wissenschaftlicher Arbeiten können die Studenten auf der Webseite www.hausarbeiten.de einsehen.

Das Problem solcher Seiten ist jedoch, dass sie zum Plagiat einladen – und das ist die Todsünde bei wissenschaftlichen Arbeiten. Viele Professoren benutzen bereits eine Software, die Deckungsgleichheiten ermittelt. Entdecken sie Plagiate, kann es vorkommen, dass sie ganze Kurse nicht werten.

Sobald das handwerkliche Fundament steht, kann die Hausarbeit beginnen. Die richtige Zeiteinteilung spielt eine große Rolle. Um die Suche nach passender Literatur zu verkürzen, empfehlen erfahrene Studenten, an einer Bibliotheksführung teilzunehmen. Wenn die Literatur ausgewählt ist, sollte man sich einen groben Überblick erarbeiten. Es komme darauf an, das Thema auf eine klare Fragestellung einzugrenzen, sagt der Psychologie-Student Sebastian Teubner: „Du musst dir bewusst sein, was du mit deiner Arbeit erreichen willst.“

Wer unsicher ist, sollte den Professor oder den wissenschaftlichen Mitarbeiter um Rat fragen. Ganz wichtig: Schon von Beginn an sollten Studenten die vollständigen Literaturangaben notieren, besonders wenn sie mit Kopien arbeiten. Denn ansonsten muss man kurz vor dem Abgabetermin noch einmal die gesamte Literatur durchsuchen, um die Informationen für das Literaturverzeichnis zu sammeln.

Der eigentliche Schreibprozess ist einer der letzten Schritte der wissenschaftlichen Arbeit. Der Autor sollte eine flüssige Erzählweise und eine eigene Argumentation entwickeln, anstatt nur Zitate aneinander zu reihen, sagen Studienberater. Die Studenten sollten außerdem darauf achten, einen deutlichen Zusammenhang zwischen den einzelnen Abschnitten der Arbeit herzustellen. Ein weiterer Punkt ist die möglichst genaue Einhaltung der geforderten Formalien, besonders bei der Kennzeichnung von Zitaten und der Literaturangabe. Die Formalien sind in den verschieden Fachbereichen jedoch nicht vollkommen einheitlich.

Tutoren raten, schon bei der ersten wissenschaftlichen Arbeit die formalen Anforderungen ernst zu nehmen. Jeder sollte sein eigenes System entwickeln, um sich schnell in das jeweilige Thema einzuarbeiten, Literatur zu besorgen und das Ergebnis der Nachforschung niederzuschreiben. Die meisten Studenten müssen bis zur Abschlussarbeit zahllose Hausarbeiten, Referate und Präsentationen erstellen. Und mit ausreichender Übung und Disziplin wird das Verfassen wissenschaftlicher Arbeit zur Routine. Und nur dann wird es auch Spaß machen.

Geschichtsstudentin Lisa Tellbrügge hat noch einen wichtigen Tipp jenseits von Literaturrecherche und Fußnoten: „Vernachlässigt euer Privatleben nicht.“ Sie rät zu einer klaren Zeiteinteilung; täglich mehrere Stunden konzentriert arbeiten – und dann das Leben genießen. Völlig falsch wäre es, von morgens bis abends vor dem Computer zu sitzen, mit steigender Unlust und schwindender Konzentration. Eine zehnseitige Arbeit sollte in zehn Tagen geschrieben sein. Gehe man zu perfektionistisch vor, dann werde man nie mit der Arbeit zufrieden sein. „Im Grunde gibt es nichts zu verlieren“, sagt Lisa Tellbrügge. Denn bei missglückten Versuchen geben die Professoren der Humboldt-Universität meistens die Möglichkeit zur Überarbeitung.

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