Gesundheit : Risiko für Brustkrebs

Studien zeigen, dass auch die Dichte des Gewebes eine Rolle spielt

Adelheid Müller-Lissner

Brustkrebs ist bei Frauen die häufigste Krebsform. Intensiv wird untersucht, welche Faktoren, die Entstehung der Krankheit fördern. Schon in den 70er Jahren erkannten Mediziner, dass sich in einer weiblichen Brust, die im Röntgenbild auffallend dicht erscheint, mit größerer Wahrscheinlichkeit Krebs entwickelt. Für diese Aussage liefern nun kanadische Forscher um Norman Boyd vom Ontario Krebsinstitut im Fachjournal „New England Journal of Medicine“ (Band 356, Seite 227) weitere Belege.

Sie werteten dafür die Daten von drei Studien aus, in denen rückblickend die Mammografien von insgesamt 1112 Brustkrebspatientinnen mit denen gesunder Frauen verglichen wurden. Diese Untersuchung führten Radiologen durch, die nicht an den Mammografien beteiligt waren. Dabei zeigte sich: Frauen, bei denen mehr als drei Viertel des durchleuchteten Brustgewebes als besonders dicht beurteilt wurden, hatten ein 4,7-fach höheres Risiko einer Brustkrebsdiagnose als gleichaltrige Frauen, bei denen weniger als zehn Prozent des Gewebes besonders dicht erschienen.

Dicht ist Brustgewebe, wenn es besonders viel Drüsen- und Bindegewebe enthält; wenig dicht, wenn es vorwiegend aus Fettgewebe besteht, das auf der Röntgenaufnahme schwarz erscheint, weil die Strahlen es durchdringen können. Tückischerweise sind sowohl Drüsen- und Bindegewebe als auch Tumoren auf der Aufnahme in Weiß erkennbar.

Dichtes Brustgewebe erhöht also nicht nur das Krebsrisiko, sondern auch die Gefahr, dass der Krebs bei der Mammografie übersehen wird. Eine weitere neue Erkenntnis der Studie: Das Krebsrisiko blieb auch acht Jahre nach der Mammografie, bei der das Brustgewebe als besonders dicht erschien, deutlich erhöht.

Für die Frauen, die unter dem Studien-Altersdurchschnitt von 56 Jahren lagen, war die Frage der Dichte offenbar besonders bedeutend: Die Autoren schätzen, dass ein Viertel der Krebsfälle in diesem Alter auf eine Dichte von mehr als 50 Prozent zurückzuführen ist. Der Berliner Onkologe Klaus-Peter Hellriegel vom Vivantes Klinikum am Urban hält deshalb das sorgfältige Brustkrebs-Screening vor allem in den Wechseljahren für wichtig.

In einem Kommentar zur Studie stellt Karla Kerlikowska von der Universität von Kalifornien in San Francisco fest, dass es biologische Verbindungen zwischen der Dichte des Brustgewebes, die ihrerseits auch genetisch bestimmt ist, und der Krebsentstehung geben muss. Hier brauche man noch mehr Forschung, um die Zusammenhänge zu verstehen. Kleinere Untersuchungsabstände bringen nach Ansicht der Autoren wenig, mehr Erfolg verspreche da schon die zusätzliche Anwendung anderer bildgebender Verfahren wie digitale Mammografie, Ultraschall oder Magnetresonanztomografie.

Nebenbei bestätigte die Studie auch die Bedeutung anderer bereits bekannter Faktoren, die das Brustkrebsrisiko erhöhen: Die Frauen, die an Brustkrebs erkrankten, hatten im Durchschnitt früher ihre erste und später ihre letzte Monatsblutung gehabt, sie hatten häufiger keine Kinder oder waren „späte Mütter“, sie hatten öfter Hormone zur Behandlung von Beschwerden der Wechseljahre eingenommen und in ihren Familien waren häufiger schon andere Mitglieder an Brustkrebs erkrankt. Der wichtigste – und unbeeinflussbare – Risikofaktor bleibt indes das Alter.

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