Gesundheit : Ruhe nach dem Sturm

Der Streik an der FU konzentriert sich auf das Osi

Heike Foerster

Keine Vorlesungen, keine Anwesenheitspflicht – die ganze Woche. Mit den Ergebnissen, die die Instituts-Vollversammlung und die Besetzung des Präsidiums am Dienstag gebracht haben, sind die Studierenden am Otto-Suhr-Institut (Osi) erst einmal zufrieden. Besondere Aktionen sind deshalb am dritten Tag des einwöchigen FU-Warnstreiks nicht geplant. Der Vortag sei anstrengend genug gewesen, erklärte eine Studentin in der Streikzentrale. Ähnlich auch das Bild beim Asta, der eine neue Ausgabe der Streikzeitung vorbereitet und über eine Großdemonstration in Berlin berät.

Unterdessen geht an der Rost- und Silberlaube der Betrieb normal weiter: „Die Veranstaltungen finden statt und sind auch gut besucht“, sagte ein Germanistik-Student. Die Stimmung insgesamt: eher ruhig. Dreh- und Angelpunkt des Streiks ist am Mittwoch also das Osi, speziell das besetzte Gebäude „I 21“. Hier arbeiten am Mittwochvormittag etwa 30 Studierende auf Hochtouren, die jetzt täglich stattfindenden alternativen Veranstaltungen zu organisieren oder noch mehr Studierende zu mobilisieren. „So wollen wir erreichen, dass die Studenten anfangen, nachzudenken, und dass die Diskussionen auch nach dem Streik weitergehen“, erklärt eine Studentin.

Doch es gibt auch kritische Töne. Beim Treffen des Streik-Plenums am Osi etwa fordern einige Studierende, endlich klare Forderungen zu formulieren, statt weiterhin nur zu reden. Schließlich müsse verhindert werden, dass „auch dieser Streik irgendwann ohne Ergebnis endet“, sagt Dennis Olsen. Der Streik ist aber auch aus seiner Sicht als „durchaus konstruktiv zu bewerten“. Ein Kommilitone schlägt als konkrete nächste Schritte vor, den Dekan zu einer Stellungnahme aufzufordern oder die Veränderung der Studienordnung zu erzwingen. „Und die Chancen dafür stehen nicht einmal schlecht“, wirft die Diplom-Studentin Inga Nüthen ein. Dass der stellvertretende Geschäftsführende Direktor des Osi, Hajo Funke, auf der Seite der Studenten stehe, mache den Umdenkungsprozess unter den Lehrenden deutlich. „Hier können wir ansetzen.“

Funke hatte einen offenen Brief an das FU-Präsidium geschrieben, in dem er unter anderem das Campus-Management, also das Computersystem für die Verwaltung der neuen Studiengänge, und die strengen Fristen für die Fertigstellung von Hausarbeiten scharf kritisiert. In der Osi-Vollversammlung am Dienstag hatte Funke außerdem davor gewarnt, die freie Lehre der Uni zu gefährden. „Wir müssen das Diplom verteidigen“, rief er den Studierenden im Hörsaal zu. „Bitte helfen Sie mit!“ Unterstützt hat Funke die Studierenden schließlich auch bei dem dreistündigen Gespräch mit Werner Väth am Dienstagabend – leider ohne großen Erfolg, wie einige Studierende finden. Denn auch wenn das Gespräch selbst schon ein Erfolg war, „das Fazit war ernüchternd“, so Olsen. „Die Unileitung hat sogar zugegeben, dass der Bachelor keine wissenschaftliche Ausbildung ist.“

Aus dem Präsidium war zu erfahren, Funkes Brief werde „selbstverständlich in die aktuellen Gespräche mit einfließen“.

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