Gesundheit : Russland präsentiert seinen neuen Hochgeschwindigkeitszug

Lothar Deeg

Russland eifert den europäischen Ländern mit ihren Hochgeschwindigkeits-Bahnnetzen nach. Dieser Tage wurde im Waggonwerk in Tichwin bei St. Petersburg der erste russische Super-Zug vorgestellt: Der Sokol 250 ist ein Gemeinschaftsprodukt russischer Schiffs- und Eisenbahnbauer und soll die technisch überalterten russischen Bahnen mit 250 Kilometer pro Stunde ins 21. Jahrhundert katapultieren. Allerdings wird es auf absehbare Zeit keine Strecke geben, wo der "Falke" seine Höchstgeschwindigkeit ausfahren kann.

Der neue Zug soll zwischen Moskau und St. Petersburg zum Einsatz kommen. Diese Route wird gegenwärtig hauptsächlich von komfortablen Nachtzügen bedient, die sich für die 650 Kilometer acht Stunden Zeit lassen. Um dem Flugzeug hier Konkurrenz zu machen, fehlten den Eisenbahnern bisher sowohl geeignete Gleise als auch moderne Züge: Die Spitze markiert bisher der ER-200, ein Ende der 70er Jahre in Riga gebauter Sonderzug, der es in fünf Stunden von der Moskwa an die Newa schafft. Allerdings gibt es nur zwei solche Züge. Mehr des Prestiges als der Effizienz wegen fährt jeder von ihnen pro Woche einmal hin und zurück. Und nur auf einem Teilstück der überlasteten und veralteten Strecke kann Russlands nostalgischer Intercity seine Spitze von 200 Kilometern pro Stunde überhaupt erreichen.

Der nun ohne nennenswerte Unterstützung aus dem Ausland gebaute Sokol-250 sowie seine geplante Weiterentwicklung Sokol-350 sollten deshalb auf einer Neubaustrecke parallel zum alten Gleis zum Einsatz kommen. Doch bisher besteht das russische Hochgeschwindigkeitsnetz nur aus einem großen Loch: Es ist eine Baugrube neben dem Moskauer Bahnhof in St. Petersburg. Hier soll der Sokol ein eigenes Bahn- Terminal erhalten.

Mit diesem Projekt - angereichert um ein Business-Center und ein Hotel - wollte sich die 1991 zum Bau der Highspeed-Magistrale gegründete Aktiengesellschaft VSM ein erstes wirtschaftliches Standbein schaffen. Doch auf Grund von Finanzierungsproblemen wurde der Bau im letzten Herbst faktisch eingestellt.

Auch der neue Fahrweg existiert nach wie vor nur als Strich auf der Landkarte. Noch vor dem Rubel-Crash im letzten August hatte Präsident Jelzin dem bislang durch Staatsgarantien gedeckten Milliarden-Projekt seine Gunst entzogen.

Und die Fertigstellung des ersten "Falken" ist eher dem Eisenbahnministerium als dem quasi-bankrotten Unternehmen VSM zu verdanken. Die Eisenbahner können sich glücklich schätzen, dass sie deren hochfliegende Pläne nicht zu ernst genommen haben. Vor einigen Jahren begann man parallel mit dem Ausbau der vorhandenen Strecke. 2001 soll sie vollständig modernisiert sein und Geschwindigkeiten bis zu 210 Kilometern pro Stunde erlauben. Bis dahin wird auch die Erprobung des Sokol-250 beendet sein und der Russen-ICE könnte - positive Testergebnisse, politischer Wille und genug Geld vorausgesetzt - in Serienfertigung gehen.

Selbst wenn die Sokol-Lokführer dann nicht Vollgas geben können, würden sie ihre Fahrgäste in weniger als vier Stunden von einer russischen Metropole in die andere bringen. Dies wäre auch für die hochrangigsten Passagiere eine Alternative zum Flugzeug: Neben dem Erste-Klasse-Abteil soll jeder Zug auch noch eine Luxus-Kabine mit Sofas und Bildern an der Wand bekommen.

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