Gesundheit : Sammler der verlorenen Schriften

Neues Antikezentrum an der Berliner Akademie

Amory Burchard

Die „Alte Welt“ dreht sich in Berlin immer schneller. Mit dem „Zentrum Grundlagenforschung Alte Welt“ eröffnete am Montagabend die fünfte Institution zur Erforschung der Antike. Diese Vielfalt sei Programm, sagte Christoph Markschies, Sekretar der geisteswissenschaftlichen Klasse der Akademie und Präsident der Humboldt-Universität, dem Tagesspiegel. Die Forschungszentren kooperierten beispielhaft gut – und am Ende könnte daraus ein gemeinsames „Berliner Antikekolleg“ hervorgehen.

Schon jetzt haben das im Mai 2004 gegründete interdisziplinäre Zentrum „Alte Welt“ der Freien Universität (FU), der seit Januar 2005 an der Humboldt-Universität (HU) geförderte Sonderforschungsbereich „Transformationen der Antike“ und das an der HU im gleichen Jahr eröffnete August-Boeckh-Antikezentrum einen gemeinsamen Antrag im Exzellenzwettbewerb gestellt: Im Projekt „Topoi“ wollen sie „die Entstehung und Transformation von Raum und Wissen in antiken Zivilisationen“ erforschen. Jüngster Kooperationspartner ist das neue Antikezentrum der Akademie. Der Erfolg dieses Forschungsclusters wäre „der erste große Schritt zum Berliner Antikekolleg, das seinesgleichen in der Welt nicht hätte“, sagte Bernd Seidensticker, Altphilologe und Mitglied der Akademie.

Grundlagenforschung in der Altertumswissenschaft – das heißt vor allem, Texte und Inschriften zu sammeln, zu entziffern, zu interpretieren und herauszugeben. Damit beschäftigen sich alle acht Langzeitvorhaben der Berlin-Brandenburgischen Akademie, die nun in dem neuen Zentrum zusammengefasst wurden. Darunter sind das Corpus Incriptionum Latinarum, das die antiken lateinischen Inschriften der gesamten römischen Welt sammelt und ediert, und die Turfanforschung, die mitteliranische und alttürkische Texte aus der Zeit vom 7. bis 14. Jahrhundert bearbeitet, die aus den zentralasiatischen Oasen der Seidenstraßen stammen. Außerdem beteiligt sind Editionsvorhaben zu den griechisch-christlichen Schriftstellern der ersten Jahrhunderte, den medizinischen Schriften der Antike und zu den Führungsschichten des römischen Kaiserreichs und des byzantinischen Reiches.

Die Gründung des Zentrums sei ein Zeichen für die „Rückbesinnung auf die Materialien, die das Fundament aller historischen und philologischen Arbeit in den Altertumswissenschaften bilden“, freute sich Altkirchenhistoriker Markschies. Die Kritik am „Positivismus“ solcher Grundlagenforschung beginne glücklicherweise zu verstummen.

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