Gesundheit : Scharfe Kritik an Hersteller von „Vioxx“ Mediziner: So etwas darf sich nicht wiederholen

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Einer der führenden Herzspezialisten Amerikas hat die Pharmaindustrie scharf kritisiert. Hintergrund der Attacke von Eric Topol von der ClevelandKlinik ist das jüngst bekannt gewordene erhöhte Risiko von Herzattacken durch Schmerzmittel aus der Gruppe der Cox-2-Hemmer. Der Wirkstoff Rofecoxib („Vioxx“) war deshalb vom Markt genommen worden. „Es darf nicht noch einmal vorkommen, dass massenhafte Werbung für ein Medikament gemacht wird, dessen Sicherheitsprofil unbekannt und unsicher ist“, schreibt Topol in einem Beitrag für das Fachblatt „Jama“.

Topol weist daraufhin, dass er bereits 2001 gemeinsam mit Kollegen eine Untersuchung des ungeklärten Herzkreislauf-Risikos durch die massenhaft verschriebenen Cox-2-Hemmer gefordert hatte. Bis zum Vorliegen der Ergebnisse sollten diese Medikamente bei Patienten mit einem Risiko für Herz- oder Gefäßleiden nur zurückhaltend verschrieben werden, riet Topol damals. „Leider wurden solche Untersuchungen niemals angestellt, und es dauerte Jahre, bis offizielle Stellen warnten“, kritisiert der Arzt.

Entwickelt wurden die Cox-2-Hemmer als magenfreundliche Alternative zu herkömmlichen Schmerz- und Rheumamitteln wie Ibuprofen oder Acetylsalicylsäure („Aspirin“). Rasch fanden die „Superaspirine“ reißenden Absatz, ohne dass ihre Überlegenheit jemals eindeutig bewiesen wurde. Umso deutlicher traten die Nebenwirkungen zu Tage.

Topol fragt sich nun, ob die auf dem Markt verbliebenen Cox-2-Hemmer überhaupt noch verschrieben werden sollten. Sie sollten nicht mehr die Mittel der ersten Wahl sein und schon gar nicht Menschen mit Herz- oder Gefäßproblemen verordnet werden. Andere Kollegen Topols gehen noch weiter und empfehlen, den Cox-2-Hemmer Valdecoxib („Bextra“) nicht mehr zu verschreiben, abgesehen von Ausnahmefällen.

Für Topol ist klar, dass die US-Zulassungsbehörde FDA mehr Befugnisse bekommen sollte und zum Beispiel weitere Studien nach der Markteinführung eines Präparats anordnen sollte. Andere fordern eine neue Behörde für Arzneisicherheit. „Wenn die entsprechenden Untersuchungen vor fünf Jahren gemacht worden wären, als man noch nichts Genaues wusste, hätte man schnell über die Risiken Bescheid gewusst und vielleicht ein größeres Unglück verhindert.“ wez

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