Gesundheit : Schattenseiten

Gutes Wetter macht nicht nur Spaß. Was tun bei Sonnenbrand, Hitzschlag, Zeckenbiss oder Ohrenweh vom Schwimmen? Berliner Experten und ihr kleiner Ratgeber in Sachen Sommerleiden

Björn Rosen

Wenn die Haut brennt



Die erste Maßnahme gegen Sonnenbrand ist die einfachste und wichtigste: sofort in den Schatten gehen. Wer sich nur einen leichten Brand zugezogen hat, kann sich jetzt mit After-Sun-Lotion einreiben. Sie kühlt die Haut und gibt ihr verloren gegangene Feuchtigkeit zurück. Auch andere Hautcremes helfen, sollten aber möglichst viel Wasser enthalten. „Abzuraten ist von Ölen und Fettsalben. Sie decken die Haut ab, darunter ensteht dann noch mehr Wärme, und das ist nicht gut“, sagt Tobias Forschner, Dermatologe an der Charité.

Wen es stärker erwischt hat, der braucht eine milde Kortisoncreme, die die Entzündung der Haut bremst. Es gibt sie rezeptfrei in der Apotheke. „Ebenfalls empfehlenswert: Antihistaminika in Tablettenform, zum Beispiel Fenistil.“ Und schon eine einzige Aspirin helfe auch sehr gut. Hausmittel wie der Quarkumschlag bringen dagegen nicht viel. Und Pulver auf den Brand macht die Entzündung sogar oft noch schlimmer.

Viele Leute reagieren auch allergisch auf die Sonne. Dann bilden sich rote Flecken und Knötchen. Auch in so einem Fall sollte man erstmal konsequent im Schatten bleiben. Wenn der Ausschlag nicht verschwindet, braucht man Hilfe vom Dermatologen. Der kann spezielle kortisonhaltige Medikamente verschreiben. Sonnenallergiker, die einen Urlaub planen, können aber auch gut selbst vorsorgen mit hochdosiertem Kalzium. Vier Wochen vorher anfangen mit wasserlöslichen Tabletten. Das verstärkt den Eigenschutz der Haut.

Wenn eine Zecke zugebissen hat

Zecken kann man mit einer einfachen Pinzette oder mit einer speziellen aus der Apotheke entfernen. Meist ist das unkompliziert. „Wichtig ist, dass man die Pinzette zwischen dem Tier und der eigenen Haut ansetzt, sie also tiefer hineinschiebt in die Wunde und die Zecke dann lebend herauszieht“, sagt Susanne Glasmacher vom Robert-Koch-Institut. „Packt man die Zecke in der Mitte, kann sie auseinanderreißen, ihr unterer Teil in der Haut verhakt bleiben und sich dann entzünden.“ Auch wenn die Zecke sofort entfernt wird, besteht das Risiko, dass sie einen schon mit einer Krankheit infiziert hat. „Sobald Symptome einer Sommergrippe wie Fieber und Schmerzen auftreten, sollte man zum Arzt gehen und ihm von dem Zeckenbiss erzählen.“

Zecken übertragen insbesondere zwei gefährliche Krankheiten. In Bayern, Baden-Württemberg, in Teilen von Thüringen und Rheinland-Pfalz können sie den Menschen mit FSME anstecken, der Frühsommer-Meningoenzephalitis, einer Infektion, die bei einem Teil der Patienten mit der Entzündung von Gehirn und Hirnhäuten einhergeht. In Berlin und Brandenburg besteht dagegen das Risiko, sich mit Borreliose zu infizieren. Im vergangenen Jahr gab es hier 2364 gemeldete Fälle. Auch sie kann schwer verlaufen, mit Fieber, Erbrechen und Kopfschmerzen. Beim Wald- oder Parkspaziergang sollte man also seine Haut bedecken. Ein Mythos ist aber, dass Zecken von Bäumen fallen. Auch springen können sie nicht. Meist gelangen sie auf die Haut, wenn man durch höheres Gras läuft.

Wenn die Ohren wehtun

Nach dem Baden im Pool kann man an einer Schwimmbad-Otitis erkranken – einer Schwimmbad-Ohrenentzündung. Grund: Mit dem Wasser sind Erreger, meist Bakterien, in den Gehörgang gelangt und haben sich dort eingenistet. Schon am nächsten Tag kann das Ohr dann richtig weh tun. Am besten geht man damit schnell zum Arzt. Um die Schmerzen bis dahin zu lindern, helfen Mittel wie Paracetamol. „Die frei verkäuflichen Ohrentropfen aus der Apotheke sind nicht besonders wirksam“, sagt Matthias Lohaus, HNO-Arzt im Ärztezentrum am Potsdamer Platz.

Beim Arzt wird der Gehörgang mit einem kleinen Sauger gereinigt. Anschließend bekommt man einen Mullstreifen mit einer entzündungshemmenden Salbe ins Ohr.

Um eine Schwimmbad-Otitis zu verhindern, empfiehlt es sich, die Ohren gut zu pflegen – und das heißt, sie in Ruhe zu lassen. Wenn beim Baden Wasser ins Ohr gekommen ist, sollte man sich zum Beispiel einfach auf die Seite legen und die Flüssigkeit hinauslaufen lassen. Auf keinen Fall mit dem Finger oder einem Handtuch im Ohr herumbohren! Das schädigt die Haut und bietet Erregern Angriffsfläche. Auch Wattestäbchen taugen grundsätzlich nichts. Denn Ohrenschschmalz ist gut! „Ohrenschmalz ist wichtig, damit die Haut gefettet wird und Keime wenig Chancen haben“, sagt HNO-Arzt Lohaus. Außerdem gilt: Ein Tropfen Oliven- oder Babyöl nach dem Schwimmen hält das Ohr gesund.

Wenn man gestürzt ist

Eine kleinere Abschürfung ohne große Schmerzen kann man einfach mit Wasser abspülen und dann mit einer sterilen Kompresse abtupfen. Wenn ein Desinfektionsmittel im Haus ist, außerdem ein bisschen davon auf die Wunde geben. Wenig empfehlenswert sind Wundpulver oder Zinksalbe. „Viele Leute decken die Schürfwunde mit einem Pflaster ab, auch davon raten wir ab“, sagt Stephan David vom Unfallkrankenhaus in Marzahn. „Am besten gar nichts drauftun. So bildet sich schneller Schorf.“ Gut ist dagegen, den betroffenen Arm oder das betroffene Bein für eine Weile hochzulegen. Sollten Blutergüsse entstehen, verschafft ein Eispack Linderung. „Aber unbedingt ein Handtuch zwischen Haut und Eis legen“, sagt Unfallchirurg David. Sobald Wunde oder Erguss zu groß oder zu schmerzhaft sind, heißt es: ab zum Arzt.

Wenn die Sommergrippe da ist

Eine Sommergrippe ist eigentlich keine „richtige“ Grippe, auch wenn sie mit Husten, Schnupfen und Fieber daherkommt. „Die Viren, die sie auslösen, ähneln den gefährlichen Winter-Influenza-Viren bloß“, sagt Peter Karsten, Allgemeinmediziner in Wilmersdorf. Eine Sommergrippe ist meist harmlos. Es genügt, sie mit Ruhe und viel Flüssigkeit zu behandeln.

Ein größeres Problem als die Grippe sind Durchfallerkrankungen. Sie gibt es im Sommer viel häufiger als im Winter. In der Wärme breiten sich Erreger, etwa Salmonellen, nämlich rasend schnell aus. Deshalb sollte man angefangene Speisen in den heißen Monaten großzügig wegschmeißen, besonders wenn sie Eier enthalten: „Den Kartoffelsalat von der letzten Gartenparty zum Beispiel.“ Wenn der Durchfall dann doch kommt, muss man viel trinken, am besten Apfelschorle.

Beim Essen sollte man sich auf Salzstangen oder Zwieback beschränken. „Meiden Sie unbedingt alle Milchprodukte, auch Joghurt! Wenn der Magen-Darm-Trakt entzündet ist, kann er Milch nicht verarbeiten“, sagt Karsten.

Wenn die Hitze zu viel war

Wenn jemand ohnmächtig wird, weil er sich zu lange in der prallen Sonne aufgehalten hat, ist das entweder relativ harmlos – oder aber lebensbedrohlich.

Weniger schlimm ist der so genannte Hitzekollaps, bei dem Folgendes passiert: Der Körper durchblutet seine Peripherie, also die Haut, stärker. Dadurch soll Wärme nach außen abgegeben werden. Blut aus anderen Teilen des Körpers wird dafür abgezogen – auch aus dem Gehirn. Ist dieses aber nicht mehr gut genug durchblutet, kann das zur Bewusstlosigkeit führen. Erste-Hilfe-Maßnahmen: „Kühlen Sie den Kopf und legen Sie die Beine hoch, so dass wieder Blut in das Gehirn fließt. Entfernen Sie vielleicht auch die Kleider“, erklärt Hanns-Christian Gunga, Physiologe an der Charité.

Kommt die betroffene Person nicht nach wenigen Sekunden wieder zu Bewusstsein, könnte es sich um einen wesentlich dramatischeren „Hitzeschlag“ handeln. „Dann hat die Sonne so lange intensiv auf den Kopf eingewirkt, dass die Bereiche des Gehirns, die die Temperatur des Körpers regulieren, geschädigt sind“, sagt Gunga. Der Betroffene fällt in eine tiefe Bewusstlosigkeit und schwitzt nicht mehr – heiße, trockene Haut ist ein wichtiges Indiz. Dann ist es lebenswichtig, schnell einen Notarzt zu rufen.

„Damit es gar nicht erst so weit kommt, empfiehlt sich luftige Kleidung, die durchlässig für Schweiß ist“, sagt Gunga. „Außerdem ein Hut oder eine Mütze.“ Vielleicht sogar ein Sonnenschirmchen wie die Damen sie früher trugen. Und natürlich sollte man viel trinken, besonders Kinder und ältere Menschen. Wie viel, das ist individuell sehr unterschiedlich. Es hilft, sich jeden Tag zu einer festen Zeit zu wiegen – wenn man innerhalb eines Tages plötzlich anderthalb Kilogramm verloren hat, weiß man, dass das nur ein Wasserverlust sein kann und dass man mehr trinken muss.

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