Gesundheit : "Schaustelle HdK 5": Kunststudenten proben den Ernstfall

Richard Rabensaat

An der Wand wedeln fünf Kuhschwänze. Sie bewegen sich unregelmäßig, wie von Geisterhand animiert von einer verborgenen Mechanik, die sich hinter einer weißen Holzplatte verbirgt. Ein Zufallsgenerator steuert das aus der Wand hervor tretende Ballett und verursacht dabei ein lautes Rumpeln, das den ganzen Raum erfüllt. "Zehn Minuten mussten wir bei der ersten Besichtigung warten, bis sich der Schwanz bewegt", sagt der Galerist Michael Wewerka. Die Installation von Katharina Moessinger ist Teil einer Ausstellung, mit der vier Berliner Galeristen junge Talente der Hochschule der Künste (HdK) fördern.

Die präsentierten Werke sind zwar allesamt zu verhältnismäßig moderaten Preisen zu erwerben, aber die erwarteten Geschäfte sind nicht der Antrieb für die Ausstellungsmacher. "Mit Kunst beschäftige ich mich aus Leidenschaft und nicht um des Geldes willen", sagt Wewerka. "Die jungen Maler bringen jedes Jahr neuen Schwung", beschreibt der Galerist Klaus Scheuermann seine Motivation, an der im fünften Jahr stattfindenden "Schaustelle" teilzunehmen.

Die Veranstaltung versucht einen "Brückenschlag" zwischen den noch vom Markt unbeleckten Eleven und dem durch die Galeristen repräsentierten Kommerz. Die Juroren bieten den Studenten der Hochschule die Möglichkeit, dem eingeladenen Fachpublikum ihre Werke zu zeigen und sich so schon vor dem Ende des Studiums eine Perspektive für die weitere Karriere aufzubauen. "Einige Künstler haben über diese Ausstellung einen direkten Draht zu Galeristen bekommen", sagt der Galerist Manfred Giesler, aber: "diejenigen, die wir hier ausstellen, werden nicht automatisch in unser Galerieprogramm übernommen".

Kunst ohne Zeigefinger

Die Auswahl treffen die Juroren während des alljährlich in der HdK stattfindenden Rundgangs, bei dem die Ateliers auch für Besucher geöffnet werden. Ein bestimmtes Programm verfolgen die Ausstellungsmacher dabei nicht. "Wir stellen die Sachen aus, die uns auffallen. Dabei ist egal, in welchem Semester die Studenten sind und bei wem sie studieren", sagt Klaus Scheuermann. Entsprechend dem unterschiedlichen Geschmack der Kuratoren bietet die Ausstellung ein buntes Potpourri der ganz jungen Berliner Kunst.

"Das Bild hat mich an Spanien erinnert", sagt Wewerka vor einer Stierstudie von Christine Klatt, die der Galerist auch sogleich für die eigene Sammlung erworben hat. Der klassische Stil der Malerin kontrastiert auffallend mit anderen Exponaten. "Hierbei hat mir der Wille zur Form und die Suche nach einer neuen, ganz eigenen Ästhetik gefallen", kommentiert Scheuermann die Auswahl eines Bildes von Filip Vasile Zorzor. Ein grünes Meer scheint sich auf dem großformatigen Bild auszudehnen, wird aber durchtrennt von scharfen Schnitten, die sich wie das Gerippe eines urzeitlichen Tieres über die Fläche legen. "Gemeinsam ist allen Bildern, dass sie keinen Zeigefinger erheben, auch diejenigen der realistischen Maler nicht", sagt Scheuermann. Er deutet auf die Scherenschnitte von Stefan Thiel, mit denen dieser Alltagssituationen abbildet, wie beispielsweise den Ausblick aus einem Autobahntunnel.

Die Macht der Galeristen ist relativ

In den Arbeiten von Thiel und auch in denen von Daniela Ehemann oder Patrick Cierpka scheint sich eine Nähe zur Pop Art anzudeuten. Dennoch ist eine gemeinsame Richtung bei den 12 Nachwuchskünstlern nicht auszumachen. "Das Feld ist völlig unüberschaubar geworden. Die Zahl der Künstler hat enorm zugenommen", meint auch Wewerka.

Ungefähr 300 Besucher zählten die Kuratoren bei der Eröffnung der zehn Tage dauernden Ausstellung. Unter ihnen auch Mäzene und Kunstförderer. Diese haben die Gelegenheit, günstig Bilder zu erwerben, die vielleicht später einmal sehr teuer gehandelt werden. Aber die weitere Entwicklung der Nachwuchshoffnungen auf dem Kunstmarkt ist selbst von der durch die Galeristen versammelten Fachkompetenz kaum abzuschätzen, denn: "Die Allmacht des Galeristen ist relativ", sagt auch Anja Karrasch, Pressesprecherin der HdK.

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