Gesundheit : Schavan will Forschung neu organisieren

Ministerin: Institute und Unis zusammenbringen

Amory Burchard

Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) hat „große strukturelle Veränderungen im Wissenschaftssystem“ angekündigt. Die Trennung von Universitäten und außeruniversitären Instituten werde „in zehn Jahren nicht mehr so existieren, wie sie heute existiert“, sagte Schavan jetzt bei einer Veranstaltung der Wochenzeitung „Zeit“ in Berlin. Wissenschaftsstandorte, die „in der Weltspitze attraktiv“ sein wollten, müssten „das Potenzial einer Region zusammenbringen“.

Als Vorreiter nannte Schavan das „Karlsruhe Institute of Technology“ (KIT), das Universität und Forschungszentrum Karlsruhe gemeinsam gründen. Sie sollen „in einer strategischen Allianz“ weitgehend zusammenwachsen, heißt es in einer Vereinbarung mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Darüber hinaus strebe die Bundesregierung „eine grundlegende Modernisierung des deutschen Wissenschaftssystems an“. Dabei gehe es darum, „wissenschaftshemmende Grenzen zu beseitigen“. Schavan plädierte in Berlin auch dafür, außeruniversitären Einrichtungen das Promotionsrecht zu geben.

Man dürfe die Äußerungen der Ministerin nicht als Aufruf für die Verschmelzung von Universitäten und außeruniversitären Instituten missverstehen, betonte gestern BMBF-Sprecher Elmar König. „Von Fusion ist keine Rede.“ Zwar wolle Schavan die „Versäulung der Wissenschaft“ aufheben, dabei seien aber wie beim KIT „strategische Partnerschaften“ das Ziel.

Die Trennung von universitärer und außeruniversitärer Forschung ist umstritten: Die Unis wollen von der besseren finanziellen Ausstattung und dem hoch qualifizierten Personal der Institute profitieren. Die außeruniversitären Einrichtungen wehren sich dagegen, in Lehre und Gremienarbeit eingebunden zu werden.

„Fusionen wären eine Katastrophe“, sagt der Präsident der Leibniz-Gemeinschaft Ernst Theodor Rietschel. Sie würden funktionierende Strukturen zerstören. Noch engere Kooperationen, als ohnehin schon im Elitewettbewerb geschlossen würden, seien aber im Interesse von Forschungsorganisationen und Unis. In Berlin versuche man gerade, gemeinsam mit Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner und den Universitäten einen solchen Verbund zu schaffen. Es müsse jedoch bei der „klaren administrativen und finanziellen Trennung“ bleiben, so Rietschel.

Vor übereilten Schritten warnt Peter Gaehtgens, Vorstandsmitglied der European University Association. Die Zersplitterung der Forschung müsse überwunden werden, damit die unterfinanzierten Unis, die zudem an Überlasten in der Lehre und an bürokratischer Kontrolle litten, wettbewerbsfähig werden. Derzeit aber würde ein solches Großprojekt an der Zerstrittenheit der Beteiligten scheitern. Das BMBF müsse sich eine externe Beratung sichern. Das Promotionsrecht für außeruniversitäre Institute lehnt Gaehtgens ab. Die europäischen Universitäten hätten sich gerade darauf geeinigt, es selbst dem „European Institute of Technology“ (EIT) nicht zu geben. Eine Doktorandenausbildung an der Schnittstelle von Lehre und Forschung könnten nur die Universitäten bieten.

0 Kommentare

Neuester Kommentar