Gesundheit : Schizophrenie: Virus-Spuren bei Betroffenen gefunden

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Amerikanische und deutsche Forscher haben im Hirnwasser Schizophrener die "Fußspuren" von Viren gefunden. Sie glauben, damit den bisher stärksten Hinweis darauf gefunden zu haben, dass Viren in manchen Fällen an der Wahnkrankheit beteiligt sein können. Bei 30 Prozent der Patienten mit einer akuten Form der Schizophrenie und bei sieben Prozent mit der chronischen Variante wurden unerwartet hohe Mengen an Virus-RNS gefunden. Diese Form der Erbsubstanz deutet darauf hin, dass das Virus gerade "aktiv" ist. Bei Menschen ohne Schizophrenie wurden die Forscher nicht fündig, berichten Robert Yolken von der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore und seine Kollegen im Fachblatt "PNAS".

Die von den Wissenschaftlern gefundenen Mikroorganismen gehören zur "W"-Familie der endogenen Retroviren (Herv-W). Endogene Retroviren reisen als "blinde Passagiere" bereits seit Millionen von Jahren im menschlichen Erbgut mit. Sie sind also ein natürlicher Bestandteil unseres Genoms. Ihre Rolle bei Krankheiten ist noch weitgehend ungeklärt. Die Tatsache, dass die Forscher RNS des Virus fanden, deutet darauf hin, dass die DNS des Erregers tatsächlich abgelesen und in RNS umgeschrieben wurde, mithin aktiv war. Yolken nimmt an, dass bestimmte genetische oder Umweltfaktoren die "schlummernden" Retroviren "aufwecken" und so mutmaßlich die Krankheit auslösen.

"Wir hoffen, dass wir eines Tages die Retroviren daran hindern können, aktiv zu werden", sagt Yolken. "Dann hätten wir eine weitere Methode, um Schizophrenie zu behandeln." Allerdings gebe es viele Fälle von Schizophrenie, die vermutlich nichts mit Retroviren zu tun hätten.

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