Gesundheit : Schlaf-Studie über Zebrafinken: Vögel träumen vom Singen

Julia Thurau

Haben Sie sich als Kind auch das Vokabelheft unter das Kopfkissen gelegt, hoffend, dass die Wörter sich im Schlaf in ihr Gedächtnis setzen? Oder gehören Sie vielleicht zu den Menschen, die wehmütig dreinblickend vor jenen Plakaten stehen, die einem "Sprachen lernen wie im Schlaf" versprechen? Dann dürfen sie jetzt wieder hoffen. Jedenfalls ein kleines bisschen.

Wissenschaftler der Universität Chicago fanden heraus, dass der Schlaf eine entscheidende Rolle bei Lernprozessen spielt. Das zeigten Untersuchungen an Zebrafinken, die kürzlich im Fachmagazin "Science" (Band 290, Seite 812) vorgestellt wurden. Die kleinen Vögel üben ihr charakteristisches Trillern offenbar im Schlaf und bekräftigen das tagsüber Gelernte im Stillen. Zwar kommt während des Schlafs kein Ton aus ihren Schnäbeln, doch die Aktivität ihrer Nervenzellen (Neuronen) beweist: Hier wird kräftig gelernt.

"Unseren Ergebnissen nach, träumen die Vögel vom Singen", so Daniel Margoliash, der die Forschungen an der Chicagoer Universität leitet. "Die Zebrafinken speichern während des Tages die fürs Singen spezifischen Aktivitätsmuster der Neuronen. Nachts lesen sie sie dann erneut, wobei sie die Melodien üben und möglicherweise sogar variieren."

Um dem stummen Singen während des Schlafs auf die Spur zu kommen, verglichen die Forscher die Aktivität einzelner Neuronen, und zwar bei schlafenden Vögeln, bei wachen singenden Vögeln und bei wachen Vögeln, denen man ihren eigenen Gesang vorspielte. Die Neuronen singender Zebrafinken, feuerten Impulse ab, die dem individuellen Gesang des Tieres entsprachen. Bei wachen Vögeln, denen man ihren eigenen Gesang vorspielte, verstummten die Neuronen. Schlafende Vögel zeigten dagegen erstaunliche neuronale Aktivitäten

Spielte man ihnen ihren Gesang vor, so agierten die Nervenzellen entsprechend dieser Melodie, ganz so, als würde der Vogel selbst singen. Die Vögel nutzen dabei den vorausgehenden Ton, um die nächste Tonfolge zu erzeugen. Margoliash ist überzeugt davon, dass das Aktivitätsmuster der einzelnen Nervenzellen den Lernprozess widerspiegelt. "Wenn wir die Regeln beschreiben können, wie der Schlaf auf das Erlernen des Gesangs bei Vögeln wirkt, können wir diese Erfahrungen möglicherweise auch auf andere Tiere, eingeschlossen den Menschen, übertragen."

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