Schlafende Erreger : So gefährlich ist die Syphilis heute

Die Berliner Zahlen

Nirgendwo in Deutschland haben sich 2006 mehr Menschen mit Syphilis angesteckt als in Berlin. Bundesweit waren gut 3000 Menschen infiziert – etwas weniger als 2004, aber fast doppelt so viele wie zu Beginn der Meldepflicht im Jahr 2001. Mit 569 Fällen, also 17 auf 100 000 Einwohner, liegt Berlin im Bulletin des Robert-Koch-Instituts vor Hamburg mit 130 Erkrankten, also etwa acht auf 100 000. Dass sich die Fälle in Großstädten häufen, ist nicht neu und liegt daran, dass hier auch die meisten Menschen aus Risikogruppen leben. Drei Viertel aller Syphilitiker sind homosexuelle Männer. Auch im Drogen- und Prostituiertenmilieu kann sich das Bakterium schnell ausbreiten.

Warum ist die Syphilis nicht längst ausgerottet?

Die auch Franzosenkrankheit genannte Infektion war nie ganz ausgerottet. Heute lässt sie sich mit Antibiotika heilen, deshalb gibt es Symptome wie noch Ende des 19. Jahrhunderts in Industriestaaten heute nicht mehr. Im Jahr 1520 tauchte in der Literatur das erste Syphilis-Opfer auf – ein Hirte namens Syphilus. Mit der Erfindung des Penicillin wurde die Krankheit im 20. Jahrhundert stark eingedämmt. Die zunehmende Nachlässigkeit beim Schutz vor Aids trägt aber dazu bei, dass sie sich seit den 1990er Jahren wieder stärker ausbreitet.

Was verursacht Syphilis, und wie beugt man vor?

Syphilis ist eine typische Geschlechtskrankheit, die durch die Schleimhäute übertragen wird. Überträger ist das Bakterium Treponema pallidum, das sich zunächst an der ersten Infektionsstelle einnistet und Hautausschläge hervorruft. Wird die Syphilis nicht behandelt, befällt das Bakterium weitere Organe – im Endstadium zerstört es das Zentrale Nervensystem. Kondome schützen vor der Ansteckung. Auch eine Infektion durch Spritzen oder Blutkonserven ist möglich.

Wie erkennt man, ob man Syphilis hat?

Erstes Anzeichen ist ein kleines Geschwür im Genitalbereich oder am After, das kaum weh tut. Später schwellen dann die Lymphknoten an.

An wen wendet man sich, um sicherzugehen?

Dermatologen sind auch für Geschlechtskrankheiten zuständig und deshalb die richtigen Ansprechpartner. Bei Verdacht wird im Labor ein Antikörpertest gemacht. Die kostenlose Broschüre „Sexuell übertragbare Krankheiten“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung kann per Fax, 0221/899 22 57, oder per E-Mail über order@bzga.de angefordert werden. Info-Hotline: 0180/5 55 54 44. Die Berliner Beratungsstelle für sexuell übertragbare Krankheiten sowie Aids an der Müllerstraße 158 in Wedding ist unter 200 94 60 18 oder -08 zu erreichen. Mehr über Syphilis gibt’s unter: www.rki.de, www.bzga.de.dal

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