Gesundheit : Schlank und stark

Wissenschaftsrat weist der Medizin die Richtung

Uwe Schlicht

Medizinprofessoren schmücken sich gern mit einem Bauchladen voller Schwerpunkte. Welche Universitätsklinik, welche medizinische Fakultät möchte sich schon sagen lassen, dass sie weniger als 15 Schwerpunkte besitzt. Dieser Inflation möchte der Wissenschaftsrat einen Riegel vorschieben. Am Beispiel der Hochschulklinika in Baden-Württemberg hat er Empfehlungen formuliert, die er künftig bei der Bewertung der Hochschulmedizin bundesweit zugrunde legen möchte – auch in Berlin.

Hochschulklinika sind nicht nur für die Krankenversorgung da, sondern vor allem für Forschung und Lehre, so die Grundaussage des Wissenschaftsrats. Deshalb muss bei jedem Schwerpunkt in Hochschulklinika die wissenschaftliche Leistung im Vordergrund stehen und nicht die Krankenversorgung. Außerdem darf ein Schwerpunkt nicht nur auf der Leistung eines einzelnen Mediziners beruhen, sondern er muss in ganzen Teams verankert sein. Der Wissenschaftsrat will medizinische Schwerpunkte nur anerkennen, wenn sie auf disziplinübergreifenden Sonderforschungsbereichen basieren, von Gruppen der Deutschen Forschungsgemeinschaft getragen werden und ein Graduiertenkolleg für die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses besitzen.

Seriöse Fakultäten sollten daher nur vier bis sechs Schwerpunkte anbieten und nicht 15, betonte der Vorsitzende des Wissenschaftrats, Karl Max Einhäupl. 40 Prozent des Landeszuschusses für Forschung und Lehre sollen nach Leistung vergeben werden, fordert der Wissenschaftsrat. Die Berliner Charité unter der Leitung von Detlef Ganten und dem Dekan Wolfgang Paul haben bereits angekündigt, künftig 30 bis 40 Prozent des Budgets für Forschung und Lehre nach Leistung zu vergeben.

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