Schlankheitswahn : Kampf gegen XXS

Dürre Damen wie Victoria Beckham oder Keira Knightley gelten als sexy. Zum Schönheitsideal unserer Zeit stilisiert, hungern sie ihren Fans erfolgreich etwas vor und animieren tausende Teenager zur Diätkarriere - in Deutschland startet nun eine Gegenkampagne.

Susanna Gotsch
No.Anorexia
Magersuchtkampagne: "No.Anorexia" - "Magersucht, nein."Foto: AFP

Bereits jedes fünfte Kind in Deutschland leidet unter Essstörungen. Vor allem Mädchen und junge Frauen sind davon betroffen, schätzungsweise 100.000 zwischen 15 und 35 Jahren sind magersüchtig. Aber auch immer mehr Jungen und Männer erkranken an Essstörungen. Magersucht (Anorexia), Ess-/Brechsucht (Bulimie), episodische Fressanfälle (Binge Eating Discorder) und Fettsucht (Adipositas) sind typisch dafür.

Die Entstehung von Essstörungen ist sehr komplex. Schönheitsideale haben einen großen Einfluss auf die Krankheitsentstehung - sie sind der Nährboden, auf dem sich die Krankheit entwickelt. Schlanksein wird gleichgesetzt mit Leistung, Erfolg, Anerkennung und Attraktivität. Im Zusammenspiel mit Diäten oder kontrolliertem Essverhalten, kann der Schönheitswahn ein Auslöser für Essstörungen sein.

"Viele Faktoren kommen zusammen, wenn ein Mensch eine Essstörung entwickelt, beispielsweise Selbstzweifel, geringes Selbstwertgefühl, Spannungen in der Familie, Trennungserlebnis, der Druck der Gleichaltrigen“, heißt es in der Broschüre "Essstörungen ... was ist das?“, herausgegeben von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

Für alle Essstörungen gilt: Der Weg zurück zu einem normalen Gewicht ist oft sehr schwer. Wichtig ist, die Krankheit als solche zu erkennen und den Betroffenen zu helfen. Menschen mit Essstörungen brauchen medizinische, therapeutische und psychosoziale Behandlung. Doch Hilfe bedarf der Freiwilligkeit der Betroffenen. Ohne Krankheitseinsicht und dem eigenen Wunsch, etwas zu verändern, ist jedes Hilfsangebot sinnlos.

Zu dick, zu dünn - eine Frage der Schicht

Das Schlankheitsideal ist eindeutig ein Phänomen unserer wohlhabenden Gesellschaft. Die Art der Essstörung und die Häufigkeit der Verbreitung sind jedoch stark vom sozialen Status abhängig. So sind Kinder und Jugendliche aus Familien mit niedrigem Sozialstatus mit 27,6 Prozent fast doppelt so häufig essgestört wie solche aus Familien mit hohem Status (15,6 Prozent). Übergewicht und Fettsucht kommen häufiger in sozial schwachen Kreisen vor, während Magersucht und Ess-/Brechsucht insgesamt seltener sind. Dafür aber treten sie bei Personen mit mittlerem und höherem sozialen Status auf. Das geht aus der neuesten Studie des Robert Koch-Instituts hervor, die sich mit Essstörungen im Kindes- und Jugendalter beschäftigt.  

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