Gesundheit : Schmucksteine: Brillant erkannt

Manuela Röver

Ein Weihnachtsgeschenk fürs Leben und ein Zeichen der Liebe. Der Diamant ist aber auch, weniger romantisch, Besatz auf der Trennscheibe eines Winkelschleifers. Sein Name stammt vom griechischen adámas, "der Unbezwingbare", und ist eine Anspielung auf die Stabilität der Diamanten. Diese Eigenschaft macht sie für die Industrie zu einem bedeutenden Rohstoff. "Und wegen ihres funkelnden Erscheinungsbildes sind es nach wie vor die beliebtesten Schmucksteine", ergänzt Ulrich Henn, Geschäftsführer der Deutschen Gemmologischen Gesellschaft. Nur ein Gedanke trübt gelegentlich die Faszination der Diamanten: Echt oder unecht?

Die Unterscheidung zwischen synthetischen Produkten und natürlichen Edelsteinen gehört heute zu den Hauptaufgaben der Gemmologie, wie Wissenschaftler kürzlich auf einer Edelstein-Konferenz an der Technischen Universität Berlin betonten. Daneben beschäftigen sich die Mineralogen aber auch mit Techniken zur Be- und Verarbeitung der begehrten Stücke. "Erst der Brillantschliff macht aus einem Rohdiamanten einen Brillanten", erklärt Henn. Durch diesen komplizierten Schliff werden die Steine so gestaltet, dass die Lichtreflexion an ihren Oberflächen besonders effektvoll ist.

Vier hohe "C"

Ein gelungener Schliff ist eines der vier Bewertungskritierien, der vier "C", für die Qualität eines Diamanten. Neben dem "Cut" (Schliff) beurteilen die Fachleute auch die "Cleanness" (Reinheit) und die "Colour" (Farbe) eines Steines. "Es gibt nicht nur weiße, sondern auch gelbtönige Diamanten. Aber je geringer der Gelbanteil ist, desto wertvoller ist ein Diamant", erläutert Henn. Glasklare Diamanten rangieren auf der Beliebtheitsskala der Käufer immer noch auf Platz eins.

Schließlich spielt auch die Größe für den Wert eines Steines eine entscheidende Rolle. Sie wird in Karat gemessen, im Englischen "Carat" - das vierte C im Bunde der Qualität. Der bisher größte Diamant, der "Cullinan", wurde 1905 in Südafrika entdeckt; er wog 3106 Karat. Ein Karat entspricht 0,2 Gramm, der "Cullinan" brachte also stolze 621,2 Gramm auf die Waage. Die meisten Fundstücke sind jedoch wesentlich kleiner. Ein Diamant mit einem Karat ist etwa sechseinhalb Millimeter groß und zählt bereits zu den seltenen Exemplaren.

Auf der Erde kommen Diamanten nur in begrenzter Menge vor. Zusammen mit ihren physikalischen Eigenschaften macht das die Steine so kostbar. Die Hauptfundorte liegen in Südafrika, Botswana, Australien und Rußland. Diamantkristalle werden in großer Tiefe gebildet und mit dem Magma, einer flüssigen Gesteinsschmelze, an die Erdoberfläche transprotiert; die erkaltenden Gesteinsmassen bezeichnen Mineralogen als Kimberlite. Wenn die Kimberlite verwittern, werden die Edelsteine frei gelegt und von Wind und Wasser abtransportiert. In Sandablagerungen bilden sich dann sekundäre Vorkommen, die Diamantseifen.

Die Edelkristalle sind nicht nur in der Schmuckindustrie, sondern als Bohr- oder Schneidmaterial auch in anderen Produktionszweigen begehrt. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts suchten daher Wissenschaftler immer wieder nach Methoden, mit denen sich die funkelnde Ware im Labor erzeugen lässt.

Diamanten bestehen aus reinem Kohlenstoff, dessen Atome in einem regelmäßigen Gitter würfelförmig angeordnet sind. Die Diamantkristalle sind damit ein brillantes Beispiel für die Vielgestaltigkeit des Kohlenstoffs. Denn Graphit beispielsweise besteht ebenfalls aus einem Kohlenstoffgitter, mit dem einzigen Unterschied, dass die Atome dort in Schichten aus Sechserringen übereinander liegen.

Im Gegensatz zu den durchsichtigen harten Diamantkristallen, ist Graphit schwarz und sehr weich. Da das Material beim Reiben abfärbt, wird es auch für Bleistiftminen verwendet. Ähnlich wie in dem Märchen von Rumpelstilzchen, in dem die Müllerstochter aus Stroh Gold spinnen soll, mühten sich die Mineralogen Jahrzehnte lang damit ab, billiges und reichlich vorhandenes Graphit in Diamanten zu verwandeln.

Ein Kunst-Werk

Mit Erfolg. Anfang der 50er Jahre gelang es der Schwedischen Elektrizitäts AG und dem US-Unternehmen General Electrics nahezu gleichzeitig, die ersten synthetischen Diamanten herzustellen. Sie waren jedoch sehr klein und wesentlich teurer als ihre natürlichen Verwandten. Hohe Temperaturen und ein Druck von über 50 Kilobar sind notwendig, um schwarzen Graphit in strahlende Diamanten zu verwandeln.

1970 gelang es schließlich die ersten Diamanten in Schmuckqualtität zu produzieren; seitem wurde das Herstellungsverfahren immer besser und kostengünstiger. Der Graphit wird zusammen mit Reaktionsbeschleunigern in einem elastischen Reaktionsgefäß im Zentrum einer großen Hochdruckpresse platziert. Durch das Zusammenpressen des Reaktionsgefäßes steigen im Innern Druck und Temperatur. So entstehen Diamanten von bis zu einem Karat.

"Heute gibt es als Besonderheit spezielle Schmuckkollektionen mit synthetischen Diamanten", sagt Ulrich Henn. Doch mit den erstklassigen Kunstprodukten tauchte auch das Problem möglicher Fälschungen auf. "Für einen Fachmann ist es kein Problem Immitationen von echten Edelsteinen zu unterscheiden", erklärt Henn. "Beispielsweise kann man Strasssteine und echte Diamanten schon mit einer Lupe auseinanderhalten." Bei den extrem harten Diamantkristallen sind die Schliffkanten messerscharf, während die Kanten weicherer Materialien leicht abgerundet sind. Ebenfalls mit der Lupe sichtbar, brechen Diamanten das Licht nur einfach, das heißt: Ein Lichtstrahl tritt in den Kristall ein und wird abgelenkt, aber nicht gespalten. Im Gegensatz dazu sind viele Immitate doppeltbrechend; ein einfallender Lichtstrahl wird gebrochen und in zwei Strahlen zerlegt.

Schwieriger wird es allerdings bei synthetischen Erzeugnissen, da deren Kristallstruktur der von echten Edelsteinen zum Verwechseln ähnelt. Hier muss die Lupe einem gut ausgestattetem Labor weichen. Synthetische Diamanten können als Einschlüsse metallische Rückstände aus dem Produktionsverfahren enthalten. "Das ist noch relativ einfach. Man braucht dann nur einen Magneten um den falschen Produkten auf die Schliche zu kommen", sagt Henn. Greift diese Möglichkeit nicht, so bleibt den Mineralogen nur noch die Spektroskopie.

Das Absorptionsspektrum künstlicher Kristalle weicht immer ein wenig von dem echter Edelsteine ab. "Synthetische Diamanten zeigen im ultravioletten Strahlenbereich Fluoreszenzen, die Sie bei echten niemals finden", sagt Henn. Ähnlich wie Kassierer heute mit Hilfe einer UV-Lampe gefälschte Banknoten ausfindig machen, können Fachleute der Gemmologie daher unechte Diamanten zweifelsfrei erkennen.

Da der Diamantenhandel international straff organisiert ist, geraten nur selten unechte Stücke in den Handel. Wenn ein Diamant endlich beim Juwelier oder Goldschmied landet, ist er mindestens einmal getestet worden. Wer also zu Weihnachten mit einem Brillanten aufwarten möchte, läuft so gut wie keine Gefahr, den Gabentisch ungewollt mit einem unechten Schmuckstück zu garnieren. "Vorsicht ist nur bei den so genannten Schnäppchen geboten", sagt Henn. Diamanten, die deutlich unter Preis angeboten werden, sollte man besser von Fachleuten prüfen lassen.

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