Gesundheit : Schnelle Hilfe nach Tankerunfällen

Berliner Ingenieure entwickeln Schiff, das auch bei Sturm Öl aufnehmen kann

Ralf Nestler

Als im November 2002 der Tanker „Prestige“ vor Spanien zerbrach, flossen 50 000 Tonnen Öl in den Atlantik. Den Großteil davon trieb der Wind ungehindert bis zur Küste, denn Ölbekämpfungsschiffe können derzeit bei hohen Wellen nichts ausrichten. Forscher der Technischen Universität Berlin entwickelten nun ein System, das Öl auch bei starkem Seegang bergen kann.

Tankerunfälle passieren häufig bei schlechtem Wetter. „Je länger die Bergungsschiffe auf ruhige See warten müssen, desto schwieriger wird es, das Öl aufzufangen“, sagt Mazen Abu Amro vom Fachgebiet Meerestechnik an der TU Berlin. Der anfangs geschlossene Ölteppich vermischt sich zunehmend mit Wasser und bildet kleine Lachen, die weit auseinander treiben.

Eine Möglichkeit, diese Lachen aufzufangen, sind Klappschiffe. Sie können ihren Rumpf der Länge nach wie ein V öffnen. In der Mitte befindet sich ein horizontaler Spalt, in den der schwimmende Ölfilm einströmen soll. „In der Realität sind aber Wasser und Öl so stark vermischt, dass bis zu fünfmal mehr Wasser als Öl in die Tanks fließt“, berichtet der Ingenieur. Außerdem fahren diese Schiffe lediglich drei Kilometer pro Stunde und können nur bis 1,5 Meter Wellenhöhe arbeiten.

Das Team um Meerestechniker Günther Clauss entwickelte ein System, das doppelt so schnell ist und selbst bei drei Meter hohen Wellen funktionieren soll. Bislang hat der „SOS“ (Seegangsunabhängiger Oel-Skimmer) aber nur Speiseöl auf 20 Zentimeter hohen Wogen geborgen. Der SOS schwimmt nämlich als Modell im 80 Meter langen Wellenkanal der TU Berlin. Im Maßstab 1:15 wird erforscht, wie das neue System aufgebaut sein muss, um optimal zu arbeiten. Daher genügen für das Modell 20 Zentimeter-Wellen, um zu simulieren, wie raue See auf große Schiffe wirkt.

Das Funktionsprinzip: Zwischen den zwei Rümpfen eines Katamarans befindet sich der schwimmende Ölsammler, mit dem der Kapitän direkt auf den Ölteppich fährt. „Durch den breiten und flachen Bug werden die Wellen plattgewalzt“, erklärt Abu Amro. Dabei wird das Wasser beruhigt und das Öl gleitet besser an der Unterseite des Schiffs entlang. In der Mitte befindet sich eine flache Stahlplatte, die wie ein Hobel wirkt. Das schwimmende Öl wird nach oben in ein Auffangbecken geleitet, während das Wasser nach hinten weiterströmt.

Damit der Ölhobel richtig funktioniert, braucht er genügend Geschwindigkeit. Dann entsteht über der stählernen Separationsklinge ein Wirbel, der das Öl konzentriert nach oben spült. „Bei sechs Kilometern pro Stunde beträgt der Wasseranteil nur 20 Prozent“, sagt Abu Amro. Somit kann der SOS in gleicher Zeit mindestens fünfmal mehr Öl aufnehmen als bislang eingesetzte Systeme.

Noch ist der SOS nur zwei Meter lang. Damit es nicht beim Modell bleibt, müssen Betreiber gefunden werden, die rund sieben Millionen Euro für das Ölbekämpfungsschiff aufbringen. Besonders die Ölgesellschaften am Kaspischen Meer seien interessiert, berichtet Abu Amro. Er hofft, dass 2007 der erste SOS auf großen Wellen schwimmt.

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