Gesundheit : Schöner Altern: Dem Alter zum Trotz

Hartmut Wewetzer

Alt werden und jung bleiben - diesen scheinbar unauflöslichen Gegensatz möchte das "Anti-Aging" aufheben. Unter diesem ein wenig schillernden Begriff hat sich ein Sammelsurium von Methoden versammelt, mit denen vorzeitiges Altern hinausgezögert oder kaschiert werden soll. Knapp 800 Zuschauer hatte es zum 18. Treffpunkt Tagesspiegel Medizin & Fitness am Mittwochabend ins ICC gezogen, um zu erfahren, was am "Anti-Aging" dran sein könnte.

"Es gibt viel teuren Unfug", stellte Moderator Justin Westhoff fest. Wie kann der Unerfahrene die Spreu vom Weizen trennen, wie erfährt er, ob eine vielleicht teure Mixtur auch wirklich das Altern bremst? Diese Frage konnte auch an diesem Abend oft nicht mit letzter Klarheit beantwortet werden. Für Klaus-D. Schwanebeck von der Gesundheits-Akademie Berlin, einer Fortbildungseinrichtung, ist gute Gesundheitsberatung Mangelware. Richtige Vorbeugung, gute Ernährung, vernünftige Sportangebote - hier gibt es für Schwanebeck großen Wissensbedarf. Auch deshalb, weil die wachsenden Gesundheitskosten sonst zur "Zeitbombe" würden.

Zu den Substanzen, die nachweislich einen Einfluss auf das Altern haben können und die immer wieder als vermeintliche Wundermitttel Schlagzeilen machen, gehören Hormone oder hormonähnliche Stoffe. Für manche Frauen in oder nach den Wechseljahren kommt eine Hormonersatztherapie mit Östrogenen in Betracht. Deren Gefährdungspotenzial sei gering, wenn Vor- und Nachteile sorgfältig abgewogen würden und der Arzt die Bedürfnisse der Patientin ernst nehme, sagte der Aschaffenburger Gynäkologe Alexander Teichmann.

Viel schwieriger ist die Situation beim alternden Mann einzuschätzen. Wer weniger männliches Sexualhormon im Blut hat als normal, kann sich trotzdem pudelwohl fühlen; und wer einen normalen "Blutspiegel" an Testosteron hat, kann dennoch Probleme wie Impotenz, Müdigkeit und Niedergeschlagenheit haben, die auf einen Mangel hindeuten können.

"Ist Melatonin ein Tabuthema?" fragte ein Zuhörer. Die schlafregulierende Substanz, ein in der Zirbeldrüse an der Hirnbasis gebildetes Hormon, gilt vor allem in den USA als Jungbrunnen. "Es ist nicht verlässlich belegt, dass Melatonin das Leben verlängert", sagte Teichmann. Auch Wachstumshormon - ebenfalls in den USA sehr beliebt - ist als Verjüngungsmittel umstritten. "Es gibt noch keine Untersuchung zu den Langzeitfolgen", stellte Teichmann fest. Dafür brach sein Kollege Reinhard Fink, Berliner Hormonexperte, eine Lanze für die hormonartige Substanz DHEA: er verschreibt sie, sofern ein Mangel im Blut nachgewiesen ist.

"Mit 20 beginnt die Haut zu altern", stellte der Dermatologe Thomas Stavermann fest. Schon im dritten Lebensjahrzehnt sollte man vorbeugen: "95 Prozent der vermeidbaren Hautalterung ist auf UV-Strahlung, oft durch zuviel Sonne, zurückzuführen." Vitaminhaltige Pflegecremes hält Stavermann für sinnvoll. Gute Erfahrungen hat er auch mit Lasern gemacht. Der geballte Lichtstrahl soll Falten glätten und kann auch Altersflecken zum Verschwinden bringen.

Sprunghaft zugenommen haben kosmetische Eingriffe. Mit dem Skalpell wird Fettpolstern, Falten, Doppelkinn und hängenden Lidern zu Leibe gerückt. Brüste werden vergrößert, Nasen begradigt, Glatzen behaart und das Kinn mit Silikon gepolstert. Der Trend hat breite Bevölkerungssschichten erreicht, stellte der plastische Chirurg Detlev Witzel fest: "Plastische Chirurgie ist für jeden erreichbar."

"Regelmäßig und auf den persönlichen Bedarf zugeschnitten, ohne sich übermäßig zu erschöpfen": so lautete der Ratschlag der Sportwissenschaftlerin Gudrun Doll-Tepper zum Thema Sport als Anti-Aging. Doll-Tepper sieht Sport ebenso als Brücke zwischen Körper und Geist: "Bewegung hält auch das Gehirn in Bewegung."

In einer älter werdenden, dabei alternden und zugleich dem Jugendkult huldigenden Gesellschaft ist Älterwerden eine zwiespältige Erfahrung. "Wir müssen lernen, uns zu verabschieden", sagte die Psychologin Eva Jaeggi. "Gespräche, Religion, Meditation und Psychotherapie können uns helfen, in Würde zu altern."

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