Gesundheit : Schottischer Schöpfer

Ian Wilmut, Vater des Klonschafs „Dolly“, erhält Schering-Preis

NAME

Ian Wilmut sieht eigentlich nicht so gewaltig aus, wie man sich Hamlet vorstellt. Doch zumindest in der Wortwahl orientiert sich der britische Forscher, der vor fünf Jahren als Vater des geklonten Schafs „Dolly“ weltberühmt wurde, an Shakespeares Theaterfigur. „Klonen oder nicht klonen?“, lautete die Frage, die er am Mittwoch anlässlich der Verleihung des mit 50 000 Euro dotierten Ernst- Schering-Preises 2002 beantwortete.

Der Forscher vom Roslin-Institut bei Edinburgh befürwortete das therapeutische Klonen und sagte ebenso entschieden „Nein“ zum reproduktiven Klonen, bei dem Kopien von Menschen hergestellt würden.

Embryos müssen aber auch hergestellt werden, wenn zum therapeutischen Klonen embryonale Stammzellen verwendet werden. Um einen Embryo nach der „Dolly-Methode" zu erzeugen, wird einer Körperzelle das Erbgut entnommen und in eine zuvor entkernte Eizelle übertragen. Danach wartet man etwa vier bis sieben Tage ab, bis das Stadium einer „Blastozyste“ erreicht ist: etwa 200 Zellen, die sich zu einer Kugel gruppieren. Die äußeren Zellen werden zur Plazenta, die inneren könnten sich zu einem Embryo entwickeln. Doch sobald die Stammzellen entnommen werden, stirbt der Embryo.

Mittlerweile gibt es international unterschiedliche rechtliche Regelungen zu dieser Methode. In Deutschland ist das therapeutische Klonen verboten, in Großbritannien erlaubt. Allerdings mit sehr strengen Auflagen, sagt Wilmut und wird nicht müde, all die Ethik-Kommissionen aufzuzählen, die die Forschungsprojekte begutachten. „Der Zellhaufen hat noch kein Nervensystem, also kein Bewusstsein und kein Schmerzempfinden", sagt Wilmut. Dem gegenüber sieht er große Chancen, kranken Menschen mit dem therapeutischen Klonen zu helfen. Die Stammzellen lassen sich kultivieren. Sie haben das Potenzial, zu etwa 200 verschiedenen Gewebetypen heranzuwachsen. Die Forscher hoffen darauf, mit dem Gewebe kranke Organe reparieren oder gar ersetzen zu können. Neue Nervenzellen könnten Parkinson-Kranken die Beweglichkeit zurückgeben. Diabetiker könnten vielleicht wieder selbst Insulin produzieren.

Auch wenn sich der Träger des 11. Schering-Preises auf embryonale Stammzellen konzentriert, verspricht er sich viel von der Erforschung adulter Stammzellen, die erwachsenen Menschen entnommen werden. Die beiden Richtungen würden sich gegenseitig befruchten, sagt er. Paul Janositz

0 Kommentare

Neuester Kommentar