Gesundheit : „Schulgeld stärkt Eltern“ Bildung als Wirtschaftsfaktor: Kölner Forscher geben Tipps

Anja Kühne

Ein viel zu großer Teil des Geldes, das Deutschland für die Bildung ausgibt, fließt ins Leere. Das ist das Ergebnis der Studie „Bildungs-Benchmarkings Deutschland“, die das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln am Mittwoch vorstellte. Obwohl Deutschland fast so viel für Bildung ausgibt, wie die 20 wirtschaftsstärksten OECD-Länder im Durchschnitt, sind die Leistungen „unzureichend“, meinen die Forscher des unternehmernahen Instituts, die sich auf Daten der OECD und auf Ergebnisse internationaler Schulvergleiche stützen. Längst spüre das Land die wirtschaftlichen Folgen seiner schwachen Bildungseinrichtungen. In den letzten zehn Jahren ist Deutschland im Wirtschaftsranking der OECD vom siebten auf den 16. Platz zurückgefallen: „Der Grund ist, dass Deutschland kein Wachstum mehr aus der Bildung geholt hat“, sagt Gerhard Fels vom IW. „Unsere einzige Wohlstandsquelle wurde zum Versiegen gebracht.“

Aus Sicht der Wirtschaftsforscher beginnt die Misere schon in der frühkindlichen Erziehung. Nur zehn Prozent der deutschen Kinder, die jünger als drei Jahre sind, gehen in den Kindergarten. Und bislang sind viele Kindergärten keine Bildungs-, sondern Betreuungseinrichtungen. So beginnt der systematische Unterricht erst im Alter von sieben Jahren in der Schule, kritisieren die Wissenschaftler. Viel zu wenige Schüler gelangen in Deutschland zum Abitur, viel zu wenige von ihnen studieren und unter diesen stammen viel weniger als im internationalen Vergleich aus den unteren Sozialschichten – obwohl es in Deutschland keine Studiengebühren gibt: „Während die Bildungsexpansion in anderen Ländern weitergegangen ist, ist sie in Deutschland praktisch zum Stillstand gekommen.“

Schadet das dreigliedrige Schulsystem der Leistung? Aus Sicht der Wissenschaftler lenkt die Forderung nach einer flächendeckenden Gesamtschule in Deutschland nur von den wirklichen Missständen ab: Fast 90 Prozent der Bildungsausgaben der Bundesländer flössen ins Personal. Zu wenig bleibt aus Sicht der Wissenschaftler für Sachmittel und Investitionen übrig. Die deutschen Lehrer würden besser bezahlt als ihre Kollegen in anderen Ländern, die bei Pisa trotzdem besser abgeschnitten hätten. Auch sei es im Ausland üblich, einen Teil des Gehalts nach Leistung zu zahlen. Deutschland habe es auch versäumt, die Leistung der Schulen systematisch zu evaluieren, beklagen die Wissenschaftler. Die Kontrolle des Staates wirke sich vor allem als Bevormundung aus.

Das gelte auch für die Hochschulen, die außerdem unter Unterfinanzierung litten, kritisieren die Forscher. Keines der 20 Vergleichsländer gebe weniger Geld für die Lehre aus. Trotzdem liege Deutschland mit den Kosten für das Studium an zweiter Stelle. Die Wissenschaftler führen das auf lange Studienzeiten und die hohen Abbrecherquoten zurück.

Um die Bildungsmisere zu beenden, müssten Schulen und Hochschulen mehr Autonomie bekommen und in den Wettbewerb geschickt werden, empfiehlt die Studie. Dazu müssten die Kompetenzen der Kultusministerkonferenz, die Gerhard Fels eine „Kartelleinrichtung“ nannte, beschnitten werden. Das Beamtentum im Bildungswesen sei abzuschaffen. Auch die Lehrmittelfreiheit müsse weg. Die Eltern sollen für Ganztagsbetreuung zahlen – im Kindergarten und auch in der Schule. Die Forscher halten Schulgeld „bildungsökonomisch“ für sinnvoll. Dieses Geld würden die Eltern aber nicht ans Land zahlen, sondern für Bildungsgutscheine ausgeben. Diese könnten sie dann an einer Schule ihrer Wahl einlösen. Das stärke „die Souveränität der Bildungsnachfrager“, meinen die Forscher.

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