Gesundheit : Schummelte auch die Doktorandin?

HU-Jurist ließ Passagen in Dissertation durchgehen

Hermann Horstkotte

Der Verdacht gegen Hans-Peter Schwintowski, Professor an der Juristischen Fakultät der Humboldt-Universität, in seinem neuen Buch „Methodenlehre“ geistigen Diebstahl begangen zu haben (siehe Tagesspiegel vom 8. Februar), weitet sich auf eine frühere Doktorandin aus. Denn Schwintowski weist jetzt zumindest einen der in der Fachzeitschrift „Kritische Justiz“ geäußerten Vorwürfe zurück: nämlich den, er habe unter anderem auch aus der Dissertation seiner ehemaligen Doktorandin abgeschrieben.

Vielmehr stammten die Passagen in seiner „Methodenlehre“ aus einem eigenen Text aus dem Jahr 2000, so Schwintowski. Mithin entsteht der umgekehrte Anschein, dass die Schülerin in ihrer Doktorarbeit von 2002 aus dem dort nicht angeführten Beitrag ihres Lehrers abgekupfert hat, zum Beispiel auf den Seiten 92 bis 96. „Ich habe die fraglichen Übereinstimmungen zwischen meinem und ihrem Text im Promotionsverfahren durchgehen lassen“, erläutert Schwintowski jetzt dem Tagesspiegel. Ob diese Parallelen dem Mitprüfer Christian Kirchner bekannt waren, steht dahin. Er schweigt zu dem Vorgang.

Allerdings lassen sich keineswegs sämtliche Textüberschneidungen zwischen Schwintowski und seiner Schülerin allein dieser Nachwuchskraft ankreiden. Vielmehr zeigt sich etwa an seitenlangen Ausführungen über das sogenannte „Hamburger Verständlichkeitskonzept“, dass beide Autoren unmittelbar an den angegebenen, aber nicht klar zitierten Ratgeber „Sich verständlich ausdrücken“ von Langer, Schulz von Thun und Tausch anknüpfen. Das ist seit dreißig Jahren ein Bestseller im Ernst Reinhardt Verlag, laut Klappentext „für alle, deren Aufgabe es ist, andere zu informieren“. An dieses Buch schmiegen sich sowohl der Professor wie seine Schülerin mit Schaubildern und im Wortlaut allerdings so eng an, dass auf den ersten Blick der Eindruck entstehen kann, sie hätte von ihm oder er von ihr kopiert. In Wirklichkeit tun beide das Gleiche auf Kosten Dritter.

Die „Kommission zur Überprüfung wissenschaftlichen Fehlverhaltens“ an der Humboldt-Universität geht jetzt den anwachsenden Plagiatsvorwürfen nach, wie die Sprecherin der HU, Christine Schniedermann, bestätigt. Demgegenüber will die Juristische Fakultät, wie von Mitgliedern verlautet, die erhobenen Vorwürfe gemäß Urheberrecht klären – also auf eine Ebene schieben, auf der es zwar um Verlagsrechte geht, nicht aber um wissenschaftliche Anstandsregeln.

Wie berichtet, hatte der Juradoktorand Benjamin Lahusen Schwintowski in einem Beitrag in der Fachzeitschrift „Kritische Justiz“ vorgeworfen, von mehreren anderen Wissenschaftlern breit abgeschrieben zu haben, darunter aus Texten des Bundesverfassungsrichters Wolfgang Hofmann- Riem, des Philosophen Gerald Edelmann, des Hirnforschers Giulio Tononi und des Lebenswissenschaftlers Paul D. Mac Lean. Der Verlag hatte das Buch vorläufig aus dem Handel gezogen.

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