Gesundheit : Schwärmerischer Stoff

Was Heuschrecken zusammenbringt

Peter Spork

Die achte Plage, die Gott nach Ägypten sandte, bestand aus Milliarden, etwa sechs Zentimeter langen gefräßigen Flugmaschinen. Ein Heuschreckenschwarm fraß laut Bibel die Felder am Nil kahl. Noch heute gilt die Wanderung der Heuschrecken als spektakuläres Naturereignis: In der Luft fliegen die Schwärme oft den ganzen Tag und breiten sich über eine Fläche von bis zu 600 Quadratkilometern aus. Wenn sie landen, rotten sich die Insekten dicht zusammen, hocken teilweise übereinander und fressen alles, was ihnen zwischen die kräftigen Kiefer kommt.

Unklar ist, welche Auslöser die Heuschrecken zur Schwarmbildung verleiten. Die Zoologen Michael Breuer, Bruno Hoste und Arnold De Loof von der Katholischen Universität im belgischen Leuven haben nun vielleicht eine Antwort gefunden. Sie sind auf einen Stoff gestoßen, der einsame Heuschrecken in gesellige Zeitgenossen verwandelt.

„Wanderheuschrecken kommen in einer nicht schwärmenden und einer schwarmbildenden Phase vor“, sagten die Forscher auf der Insektenkundlertagung in Halle. Beide Phasen sehen so verschieden aus, dass sie früher sogar für unterschiedliche Tierarten gehalten wurden. Die einsamen Insekten bleiben meist allein und sind überwiegend grün gefärbt. Die geselligen Tiere können ihren Artgenossen nicht nah genug auf die Pelle rücken, haben einen anderen Körperbau und tragen ein auffälliges braunschwarzes Muster.

Bekannt ist, dass die Verwandlung der Heuschrecken durch ein sinkendes Nahrungsangebot gefördert wird. Auch die Beteiligung einiger typischer Insekten-Hormone wurde vermutet. Das Forschertrio aus Leuven entdeckte nun, dass einem Stamm von Albino-Wanderheuschrecken, die sich nicht in gesellige Tiere verwandeln können, ein bestimmtes Hormon fehlt. Der Stoff, His-7-Corazonin, wird von normal gefärbten Heuschrecken im Gehirn erzeugt und in die Körperflüssigkeit ausgeschüttet. Er sorgt für das schwarze Muster geselliger Wanderheuschrecken. Einsam aufgewachsene junge Heuschrecken verwandeln sich nach Behandlung mit Corazonin in Gruppentiere. Damit könnten das Forscherteam den Stoff, der Heuschrecken zusammenbringt, gefunden haben.

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