Gesundheit : Schwingende Hüften

Typisch männlich, typisch weiblich – der Gang verrät uns

Walter Schmidt

„Zeig mir , wie du gehst, und ich sage dir, wer du bist“ – so könnte man ein Forschungsergebnis des Biopsychologen Nikolaus Troje zuspitzen. Der Wissenschaftler von der Bochumer Ruhr-Universität hat die Gangarten von Männern und Frauen untersucht und konnte bestimmte Klischees bestätigen, aber auch Überraschendes zutage fördern - etwa den Umstand, dass für Frauen ein attraktiver weiblicher Gang anders aussieht als für Männer. Diese nämlich lieben den typischen Katzengang (“catwalk“) von Models, Frauen hingegen bevorzugen schwungvoll und aufrecht einherschreitende Damen.

Für seine Analysen hat Troje Strichmännchen erzeugt, die das Charakteristische einer individuellen Gangart ohne störendes Beiwerk wiedergeben. Dazu sind dunkel gekleidete Testpersonen in einem verdunkelten Raum umhergegangen.

Der Kniff dabei: An den Trikots der rund hundert Testpersonen waren reflektierende Markierungen befestigt. So konnten neun Kameras Bewegungsmuster der Männer und Frauen aufzeichnen, die von Computern zu einer Art Strichmännchen verarbeitet wurden. Diese hüpften und liefen nun auf dieselbe unverwechselbare Weise wie der jeweilige Mensch. Daraufhin sahen sich andere Testpersonen diese Bilder auf einem Monitor an und konnten meist sekundenschnell unterscheiden, ob sie ein Strichmännchen oder -weibchen vor sich hatten.

Dass der Gang eines Menschen ganz typisch für ihn ist, kann jeder feststellen, der aus einer Menschenmenge heraus einen Bekannten an der Gehweise erkennt und obendrein wahrnimmt, ob dieser trübsinnig schlurft, gelassen schlendert oder freudig auf einen losstürmt. Schon die schiere Bewegung eines sich nähernden Menschen verrät uns, ob es sich um einen Mann, eine Frau oder ein Kind handelt. Auch trägt sie die unbewusste Botschaft in sich, ob wir unser Gegenüber nett oder abstoßend finden und ob er oder sie uns sexuell reizt.

Durch die Analyse der leuchtenden Strichmännchen konnte Troje einige Klischees bestätigen, derer sich auch die Filmindustrie oder die Werbung nicht umsonst fast zwanghaft bedient: „Der Supermann zeigt den Gang des Helden in einem Western“, fand der Forscher heraus. „Die Ellenbogen werden herausgestellt, der Gang ist breitbeinig und die im Gegensatz zu den Hüften sehr breiten Schultern zeigen eine starke seitliche Bewegung.“ Anders die Superfrau, die sich eher schmal zeigt. Sie trägt die Ellenbogen nah am Körper, führt kaum seitliche Bewegungen aus, lässt dafür aber deutlich ihre Hüfte schwingen.

Seine Testpersonen ließ der Psychologe auch bewerten, wie attraktiv sie die Bewegungsmuster von Frauen und Männern finden. Zunächst war das jeweils andere Geschlecht zu beurteilen, dann das eigene. Ein Ergebnis: Eine für Männer unattraktive Frau gleicht einem Mann, weil sie dessen breite Schultern aufweist und den Oberkörper stark seitlich bewegt, so wie John Wayne im Staub einer Western-Straße.

Männer fliegen hingegen auf Frauen, deren Schultern beim Gehen nicht oder fast nicht seitlich pendeln, deren Hüften aber kräftig ausschwingen. Zudem macht eine für Männer reizvolle Frau Schritte, bei denen ihre Füße fast auf einer geraden Vorwärts-Linie aufsetzen oder sich sogar überkreuzen – genau wie Models bei einer Modenschau.

Während Frauen wie Männer einen männlichen Gang attraktiv finden, der Schwung, Kraft und Entschlossenheit ausdrückt, bewerten die Damen ihre Geschlechtsgenossinnen ganz anders als Männer. Ihnen gefallen Frauen mit schwungvollem, aufrechtem und entspanntem Gang. Unschön wirkt für sie eine Frau, die angespannt und verkrampft geht, nicht aber eine, die sich bewegt wie ein typischer Mann.

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