Gesundheit : Seitab im Kindbett

-

Die ersten Ergebnisse kamen Anfang der 80er Jahre aus den USA: Während der Schwangerschaft, so wurde dort ermittelt, leiden Männer nicht nur verstärkt unter Schmerzen und Übelkeit. Sie nehmen im Schnitt auch drei Kilo zu und berichten über neue Nahrungsvorlieben, die als „Schwangerschaftsgelüste“ eigentlich eine Domäne der Frauen sein sollten. Psychosomatiker bezeichnen solche Phänomene beim Übergang zur Vaterschaft plastisch als „CouvadeSyndrom“.

Die Sitte der „Couvade“, des männlichen Kindbetts, ist für einige Teile Mittelamerikas, aber auch Chinas und Europas belegt: Nach der Geburt des Kindes zogen sich dort die Väter zurück und legten sich abseits der Gemeinschaft hin. Dieses Männerkindbett sollte böse Geister irreführen und dadurch den Säugling vor Schaden bewahren.

Dass Männer nach der Geburt ihrer Kinder im Kindbett liegen, kommt uns kurios vor. Die Untersuchungen zeigen jedoch, dass die Zeit vor und kurz nach der Geburt vor allem des ersten Kindes das Leben eines Mannes verändert und als stress- und konfliktreich erlebt werden kann. Jeder Fünfte beschreibt konkrete gesundheitliche Symptome. Die Psychologin Dorothee Munz von der Abteilung Psychosomatik der Uni Ulm, die gerade 100 Männer kurz vor und nach der Geburt ihres ersten Kindes dazu befragt hat, ist überzeugt: „Vätern fehlt heute ein geeignetes Modell für ihre neue Rolle. Sie sind viel emphathischer als ihre Geschlechtsgenossen früher, allerdings auch unsicherer. Manche fühlen vielleicht zu viel mit.“ aml

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben