Gesundheit : Sekt für Stipendiaten an der Freien Universität

Nicola D. Schmidt

Je größer der Sparzwang, desto mehr geraten die Universitäten in Feierlaune: Nicht nur zur Immatrikulation und zum Examen, auch zur Vergabe von Nachwuchsförderungs- (Nafög-)Stipendien wird neuerdings gemeinsam mit Sekt angestoßen, damit die Uni hinterher in guter Erinnerung bleibt.

Die Doktoranden, die sich am Donnerstag abend an der FU in Dahlem zum Festakt versammelten, werden in den nächsten zwei Jahren mit 1400 Mark monatlich vom Senat unterstützt werden. "Ich weiß, das ist nicht viel", räumte Peter Steinbach ein. Er ist Professor für Geschichte an der Freien Universität-Berlin und Vorsitzender der NaFöG-Kommission.

Aber Steinbach zeigte sich froh darüber, dass diese Förderung überhaupt noch möglich ist. Denn seit jeher wirft der Berliner Sparzwang seine Schatten auch auf die Vergabe der Promotionsstipendien: Die Höhe der monatlichen Zahlungen konnte seit Mitte der 80er Jahre nicht mehr angehoben werden. Doch obwohl das Stipendienprogramm immer wieder von den Streichungen im berliner Haushalt bedroht ist, wurde der Betrag von 5,2 Millionen Mark aus dem Topf des Wissenschaftssenates seit 1997 stabil gehalten. Dies sei nicht zuletzt der guten Zusammenarbeit von Senat und Hochschule zu verdanken, sagt Steinbach.

Eigentlich soll das Sitpendium die gesamte Promotion absichern, aber nur die wenigsten schaffen den Abschluss innerhalb der bewilligten zwei Jahre. Besonders die Geistes- und Sozialwissenschaftler brauchen meist länger - bis zu vier Jahre ist die Regel. Eine Verlängerung der Förderung ist dennoch nicht möglich. "Wenn wir den einen länger fördern, können wir im nächsten Jahr weniger Stipendien vergeben", erklärt Peter Steinbach. "Wir haben uns bewusst für weniger Geld für viele Kandidaten statt viel Geld für wenige entschieden", erläuterte er das Konzept und mahnte die Doktoranden schon jetzt: "Nutzen Sie jeden der 700 Tage, die sie haben - Sie sehen, ich habe Ihnen immerhin zwei Wochen Urlaub gegeben."

Elfriede Fehr, Dekanin am Fachbereich Mathematik und Informatik der Freien Universität Berlin, mahnte in ihrem Festvotrag die Bildungspolitiker: "Das Niveau der Universitäten darf nicht gesenkt werden, sonst bilden wir nur noch Fachidioten aus, die in fünf Jahren kein Mensch mehr braucht."Die Green-Card sei ein Armutzeugnis für die Bildungspolitik", sagt Fehr.

Etwa 70 junge Wissenschaftler werden pro Semester aus den 300 Bewerbungen von der NaFöG-Vergabekommission ausgewählt. Dreißig Hochschullehrer der Technische Universität, der Freien Universität und derHumboldt Universität entscheiden anhand der eingereichten Exposés, Arbeits- und Zeitpläne über die Vergabe der Stipendien. Voraussetzung ist ein überdurchschnittlich guter Hochschulabschluss und die Zulassung zur Promotion an einer der vier genannten berliner Hochschulen. Ausgewählt werden Promotionsvorhaben, die innovativ, realistisch geplant und ein wichtiger Beitrag zur Forschung des jeweiligen Faches sind.Informationen gibt es bei Gertrud Schindler, erreichbr über die Geschäftsstelle der NaFöG, Freie Universität Berlin, Kaiserswerther Str. 16-18, 14195 Berlin. Tel.: 838 73 640

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