Gesundheit : Seltenes Rhinozeros feiert dank Umweltschutz ein Comeback

Ed Stoddard

Das vergangene Jahrhundert bedeutete für das Weiße Nashorn aus dem südlichen Afrika das große Comeback: Ende des 19. Jahrhunderts noch vom Aussterben bedroht, ist der Bestand des zweitgrößten auf dem Land lebenden Säugetieres dank Umweltschützern für die nächsten 100 Jahre gesichert. Dass es heute mehr als 8000 der doppelhörnigen Tiere gibt, ist nach den Worten von Umweltschützer und Autor Clive Walker einer der größten Erfolge des Umweltschutzes in ganz Afrika wenn nicht sogar der Welt.

In den zwanziger Jahren tummelten sich nur noch 50 bis 100 der stumpfmäuligen Rhinozerosse im südlichen Afrika, meist im Umfolozi-Wildpark in der heutigen südafrikanischen Provinz KwaZulu-Natal. Als europäische Siedler zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert ins Innere des Landes kamen, hatten sie schnell das bis zu 2,2 Tonnen schwere und etwa vier Meter lange Tier als idealen Fleischlieferanten entdeckt. Auch als Trophäen waren die Dickhäuter begehrt.

Um die auch als "Breitmaulnashörner" bezeichneten Tiere nicht vollends den Jägern zu überlassen, erklärten Umweltschützer 1897 die Parks Umfolozi und Hluhluwe zu Wildschutzgebieten. Daraufhin wurden sie zu den führenden Aufzuchtsorten für das Weiße Nashorn. Praktisch jedes Rhinozeros dieser Art weltweit hat dort seine Heimat. Seit den sechziger Jahren wurden die stämmigen Vierbeiner in den Reservaten eingefangen und in andere Teile Afrikas und auch in Zoos rund um die Welt gebracht.

Dagegen sehen die 15 bis 20 verbliebenen Weißen Nashörner im Nationalpark Garamba in der Demokratischen Republik Kongo wegen des andauernden Bürgerkriegs mehr und mehr ihrem Aussterben entgegen.

Nicht nur den Tierschützern, sondern auch den Farmern, die von Viehzüchtern zu Wildhütern geworden sind, ist laut Experte Walker das Anwachsen der Rhinozeros-Herden zu verdanken. "Viehzucht lohnt sich immer weniger", sagt er. Durch das malerische Wildschutzgebiet Motsetse, das früher eine Viehzuchtfarm war, stampfen nun drei Nashornbullen und ein Weibchen durch das idyllische Gelände. Bald erwarteten sie ein Kalb, erklärt Motsetse-Wildhüter, Neville Hawkey, stolz.

Nach Angaben von Naturschützern entstehen durch den Öko-Tourismus mehr Arbeitsplätze als durch die Landwirtschaft. Als positive Folgeerscheinung setzten sich wiederum die lokalen Behörden verstärkt für den Schutz bedrohter Tiere ein.

Das so genannte Schwarze oder Spitzmaul-Nashorn, das meist in Kenia, Tansania und Uganda zu Hause ist, hat in den vergangenen Jahrzehnten nicht so viel Glück gehabt wie der etwas größere weiße Artverwandte. Weil die Spitzmaulnashörner wegen ihrer Hörner gejagt werden, sank die Zahl von geschätzten 65.000 im Jahr 1970 auf etwa 2000 Mitte der neunziger Jahre. Es sei allerdings ein Mythos, dass die Hörner zur Herstellung von Aphrodisiakum genutzt würden, sagt Walker. Anstatt zur Potenzsteigerung könnten sie vielmehr zur Fiebersenkung nützlich sein. Der Handel mit den Hörnern sei in Südafrika verboten. Allerdings sei die Trophäen-Jagd erlaubt. Clive Walker zeigt sich aber angesichts des positiven Beispiels des Weißen Nashorns zuversichtlich, auch das Schwarze Nashorn vor dem Aussterben retten zu können.

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