Gesundheit : Semesterticket: Verkehrsbetriebe und Studenten kommen sich näher

Tilmann Warnecke

Beim Blick in das BVG-Faltblatt zu den aktuellen Fahrpreisänderungen werden sich Berliner Studenten, die seit acht Jahren auf ein Semesterticket warten, gewundert haben. Da wurde nämlich die Einführung des Tickets schon zum 1. August, zeitlich begrenzt auf Winter- und Sommersemester, angekündigt. Hatte es etwa eine klammheimliche Einigung gegeben? Leider war alles nur ein Fehlalarm. Denn ein erneutes Treffen zwischen Vertretern der Verkehrsbetriebe und der studentischen Verhandlungsgruppe Semtix ergab: Kleine Fortschritte im Detail, großer Stillstand in der wichtigsten Frage, welchen Gültigkeitsbereich das Ticket haben soll. So heißt es weiterhin: Semesterticket zurückbleiben bitte.

Nach Angaben von Semtix-Vertreter Oliver Stoll hätten die Verkehrsunternehmen auf der Sitzung eine kostenlose Fahrradmitnahme zugesagt. Die Überlegung, das Ticket nicht an Studenten mit mehr als 14 Fachsemestern abzugeben, sei fallen gelassen geworden. Bei der Festschreibung von Kriterien zur finanziellen Nachkalkulation sah Stoll zumindest die "Bereitschaft zum Nachdenken" der Verkehrsunternehmen, "etwas vorangekommen" sei man in der Frage eines Härtefonds für sozial schwache Studenten.

Als frühesten Einführungstermin nannte Stoll das Sommersemester 2001. Um diesen Termin organisatorisch zu bewältigen,müssten sich Semtix und die Verkehrsbetriebe aber auf der für Ende August anberaumten nächsten Sitzung einigen. Stoll gab der "absoluten Inaktivität der Verkehrsbetriebe" die Schuld für die weiteren Verzögerungen. Wolfgang Schwenk, Marketing-Leiter der BVG, sagte dazu: "Aus unserer Sicht ist der Vertrag schon unterschriftsreif. Das Semesterticket könnte so den Studenten zur Abstimmung vorgelegt werden."

Der wichtigste Streitpunkt in Sachen Semesterticket, der Gültigkeitsbereich, war in dem Gespräch allerdings ausgeklammert. Semtix beharrt weiterhin auf einer verbundweiten Gültigkeit, also für Berlin und ganz Brandenburg. Das von Verkehrssenator Strieder in diesem Frühjahr vorgelegte Angebot sieht bei einem Preis von 215 Mark die Berliner Tarifbereiche ABC vor. Eine Ausweitung wird von BVG und S-Bahn abgelehnt. Ob und wann es eine Einigung in dieser Frage gibt, konnten die Studentenvertreter nicht sagen. Bevor das Semesterticket in Kraft tritt, müssen die Studenten der einzelnen Hochschulen in einer Urabstimmung der Einführung zustimmen. Den Preis entrichten alle Studenten, egal ob sie Bus und Bahn nutzen oder nicht.

Warum die BVG voreilig die Einführung ankündigte, konnte ein Sprecher am BVG-Telefon zunächst nicht beantworten. "Da bin ich auch ein wenig verwirrt", gab er auf Nachfrage zu. Pressesprecherin Barbara Mansfield sagte: "Wir sind gesetzlich verpflichtet, neue Angebote vor dem Inkrafttreten zu veröffentlichen. Das haben wir hiermit getan." Dazu verwies Mansfield auf den Nebensatz in der Ankündigung, dass "die verfassten Studentenschaften die Vereinbarungen ab August abschließen können." Die Diskrepanz zwischen der Ankündigung eines festen Datums und der Möglichkeit einer Abstimmung fand Mansfield nicht missverständlich: "Bei Studenten gehe ich davon aus, dass sie eine mittlere Intelligenz haben und das raffen." Das Prinzip Hoffnung regiert weiter in Sachen Semesterticket.

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