Gesundheit : Senator gesucht – für Wissenschaft

Von George Turner, Wissenschaftssenator a.D.

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Die Enquetekommission des Abgeordnetenhauses „Eine Zukunft für Berlin“ hat vorgeschlagen, dass die Berliner Universitäten eine universitätsübergreifende Verbundstruktur im Sinne einer „University of Berlin“ bilden. Neben der bereits erfolgten Abstimmung der Fächerangebote soll es weitere Kooperationen geben: gemeinsame Immatrikulationen, Abschlüsse und Evaluation – oder auch Ausstellungen. Identität und Namen der bisherigen Universitäten sollten dabei erhalten bleiben. Vorbild sei die University of California, unter deren Dach sich so bekannte Universitäten wie Berkeley und die UCLA befinden. Was für ein Unsinn!

Um Kooperationen zu erreichen, braucht man kein neues Gebilde. Das können die Hochschulen auch jetzt. Und wenn sie es nicht tun, kann – durch mehr oder weniger sanften Druck im Rahmen der Mittelzuweisungen oder Hochschulverträge – nachgeholfen werden.

Der Vorschlag signalisiert die faktische Nicht-Existenz eines Wissenschaftssenators. Dessen Aufgabe nämlich ist es, Ziele der Hochschulpolitik zu formulieren, Abstimmungen zwischen den Einrichtungen voranzutreiben, koordinierend einzugreifen und darauf zu achten, dass die ihm anvertrauten Institutionen im Wettbewerb bestehen können.

Wenn aber einem Amtsträger nichts anderes einfällt, als die Einführung der Viertelparität zu forcieren, dokumentiert dies ein Vakuum. Die Schlachten um Mitwirkung an den Hochschulen sind längst geschlagen. Wenn die Berliner Politik meint, sich auf diesem Feld profilieren zu müssen, ist sie etwa 30 Jahre im Verzug.

Dass der Senator das nicht begreift oder nicht verstehen will, ist eine Sache; dass die hochschulpolitischen Sprecher der Koalitionsparteien diese Linie offenbar unterstützen, ist unverantwortlich. Der Regierende Bürgermeister scheint dies verstanden zu haben. Von dort kommen Signale der Vernunft. Wenn die nichts bewirken, bleibt nur zu bedauern, dass er keine Richtlinienkompetenz hat.

Der Vergleich mit Kalifornien ist besonders peinlich. Die amerikanischen Bundesstaaten haben keine unseren Ländern entsprechende Verfassung. Der Superintendent als Leiter des Departments für Education hat nicht die Funktion wie bei uns ein Minister oder Senator. Deshalb ist eine University of California als Koordinierungsinstrument für derzeitig neun Universitäten mit einem jeweils eigenen Campus nur dort sinnvoll.

Wer mit dem Autor diskutieren möchte, kann ihm eine e-mail schreiben: g. turner@tagesspiegel.de

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