Gesundheit : Sensible Maschinen

Können Roboter uns bald die Wünsche von den Lippen lesen?

Gideon Heimann

„Hol das Bier“ – mehr muss man nicht sagen, schon setzt sich die Maschine in Bewegung. In nicht allzu ferner Zukunft wird einem das Gerät die Gerstenkaltschale und die Kräcker direkt an die TV-Couch schleppen und auf dem Weg dorthin auch noch Staub saugen. Aber wie versteht uns ein solches Gerät überhaupt, wie kann es reagieren?

Um die Technik, die dazu vonnöten ist, geht es noch am heutigen Mittwoch von 9 bis 18 Uhr im Haus am Köllnischen Park in Berlin. Immerhin kann sie immer besser erkennen, was der Mensch in seiner Umgebung braucht. Wie weit die Forscher schon sind, wird auf der Internationalen Tagung „Leitprojekte zur Mensch-Maschine-Interaktion“ an Beispielen gezeigt.

Die Probleme dabei sind ebenso vielfältig wie die Aufgaben. Bleiben wir bei dem eingangs geschilderten Roboter von Siemens und seinem Nachbarn, hergestellt vom Fraunhofer Institut für Produktionstechnik und Automatisierung in Stuttgart. Ein Roboter muss zu allererst den Befehl hören: „Hol das Bier.“ Da es aber auch um ganz andere Aufgaben gehen kann, darf der nun folgende Ablauf nicht schematisch programmiert sein. Der Befehl ist also nur einer von vielen denkbaren, er muss verstanden werden – und Spracherkennung ist je nach Umgebungslärm schon mal ein Problem für sich.

Nun muss ein solcher Apparat wissen, wo die Flaschen stehen, muss sehen und sich frei im Raum bewegen können. Der Griff an das gewünschte Objekt muss fest genug sein, jedoch ohne dass das Glas in den Zangen bricht. Außerdem darf dabei in der Umgebung nichts umkippen. Und all diese Fähigkeiten, die bei den Menschen schon ein Sechsjähriger beherrscht, müssen einem Blechgefährten aufwendig einprogrammiert werden.

Sensibilität ist allenthalben gefragt, und die wird mit Sensoren erfühlt. Ein Auto-Navigationsgerät etwa erkennt den Stress, unter dem der Fahrer steht, weil die Elektronik weiß, wie schnell der Wagen gerade fährt, wie stark die Lenkbewegungen sind, ob der Blinker arbeitet, die Nebelschlussleuchte brennt. Erkennt das Gerät, dass der Fahrer entspannt ist oder das Auto gar nicht fährt, gibt es jede Menge Infos auf dem Display, bis hin zu Luftbildern des aktuellen Areals. Ist der Fahrer hingegen belastet, bleibt die Ablenkung auf die unbedingt notwendigen Angaben begrenzt: Hier links, da rechts.

Eine Technik, die noch ein Anwendungsgebiet sucht, ist das Projekt „Invite“. Gemeinsam mit dem Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation hat die Firma Linguatec ein System entworfen, das per Spezialmikrophon fließenden Gesprächen folgen kann, die darin auftretenden Begriffe analysiert und Assoziationsketten mit Worten bildet, die aus diesem Umfeld stammen. Gefüttert wurde der Rechner hierfür mit rund einer Million natürlicher Wortformen.

Nutzen ließe sich das zum Beispiel bei Beratungsaufgaben, wenn etwa der Kunde eines Reisebüros noch gar nicht weiß, wohin er eigentlich fahren will, aber eben seine Wünsche schildert und das Gerät ihm aus allen Offerten eine Reihe der besten Möglichkeiten assoziativ heraussucht.

Wie wichtig das bessere Verstehen zwischen Mensch und Maschine ist, war freilich schon vor Jahren erkennbar. Deshalb hat das Bundesforschungsministerium 1998 einen Ideenwettbewerb zu Leitprojekten veranstaltet. Aus den 89 Vorschlägen wurden sechs ausgewählt. Sie führten zu 116 Patenten, 13 Firmenneugründungen und 56 neuen Produkten. Forschungs-Staatssekretär Wolf- Dieter Dudenhausen konnte denn auch mit einigem Stolz vermelden, dass Deutschland auf diesem Gebiet inzwischen weltweit federführend ist.

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