• Sexologenkongress in Berlin: Bis Sonntag werden Probleme wie Intersexualität oder sexuelle Orientierung in der Politik diskutiert

Gesundheit : Sexologenkongress in Berlin: Bis Sonntag werden Probleme wie Intersexualität oder sexuelle Orientierung in der Politik diskutiert

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Sex Sells. Mit diesem geflügelten Wort fängt die Werbebranche ein elementares menschliches Bedürfnis für den Kommerz ein: Das Sexappeal einer schönen Frau ist die beste Werbung für ein Auto. Sex ist allgegenwärtig: in Talkshows, auf der Bühne, in Romanen und Zeitungen - das Thema sichert die Aufmerksamkeit. Dagegen fristet die wissenschaftliche Beschäftigung mit der Sexualität ein Schattendasein. So beklagt Erwin Haeberle vom Robert Koch-Institut, dass es in Deutschland bis heute an keiner Universität oder Hochschule einen eigenen Studiengang Sexualwissenschaften gebe.

Als Generalsekretär der European Federation of Sexology (EFS) hat Haeberle den fünften Kongress der EFS organisiert, der seit dem gestrigen Donnerstag im Haus der Kulturen der Welt in Berlin stattfindet. 250 Teilnehmer aus 32 Ländern informieren sich über neue Ergebnisse der Forschung und diskutieren verschiedene Probleme. Zum Beispiel, wie man mit Babys umgehen soll, die mit keinem eindeutigen Geschlecht zur Welt kommen (Intersexualität). "Das sind zwei bis drei von Tausend", sagt Haeberle. Heute werde durch einen operativen Eingriff von Ärzten und Eltern über das zukünftige Geschlecht entschieden. Oft seien Menschen damit später unglücklich. In einem Streitgespräch geht es darum, ob derEinsatz von Medikamenten in der weiblichen Sexualität (Viagra für Frauen) eine Diskriminierung bedeutet. Eine weitere Diskussion befasst sich mit der Zukunft der Prostitution in Europa zwischen Kriminalisierung und rechtlicher Anerkennung. Die Tagung endet am Sonntag mit einer öffentlichen Podiumsdiskussion lesbischer und schwuler und Politiker zu Thema "Sexuelle Orientierung in der Politik" um 11 Uhr.

Der Kongress ist zugleich die 14. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Sozialwissenschaftliche Sexualforschung (DGSS), die 1971 von Rolf Gindorf gegründet wurde. Am Eröffnungstag verlieh die DGSS dem Präsidenten der Internationalen Akademie für Sexualforschung, Milton Diamond, und dem Journalisten Oswald Kolle die Magnus-Hirschfeld-Medaille. Der Berliner Arzt Hirschfeld gilt als Protagonist der Sexualwissenschaft. Er organisierte 1921 den ersten Sexologen-Kongress und leitete von 1919 bis 1933 das erste Institut in Berlin.

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