Gesundheit : Siegen lernen von den Profis

Berliner Bildungsdialog wirbt für eine „Kultur der Anstrengung“

Amory Burchard

Wer in der Schule in Mathe, Physik, Deutsch und Erdkunde brilliert, gilt als „Streber“. Wer dagegen in Sport eine Eins hat, ist einfach nur ein toller Typ. Mit einer „Kultur der Anstrengung in der Bildung“ könnten auch die kleinen Geistesgrößen bald gefeiert werden, sagte gestern der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Klaus Landfried, beim Berliner Bildungsdialog, den die HRK und das Veranstaltungsforum der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck veranstalteten. Dort diskutierten Repräsentanten aus Hochschule, Wirtschaft und Politik über neue Wege, nach den schlechten Ergebnissen der Pisa-Studie und anderen Bildungsrankings Spitzenleistungen innovativ zu fördern.

Landfrieds Vorschlag gegen die Schulmisere: Nicht nur bei den Bundesjugendspielen sollen Schüler Medaillen holen. Lehrer könnten auch in den Wissensfächern Wettbewerbe schon auf Klassen- und Schulebene starten – bis hin zur Bundesliga der jungen Mathematiker, Physiker und Deutschasse. Sponsoren aus Kultur und Wirtschaft könnten attraktive Preise ausloben. Ein guter Termin für schulinterne Wettbewerbe wäre der Sonnabend, so Landfried. Diesen Tag aus dem Stundenplan zu streichen sei ohnehin „eines der größten Versäumnisse der deutschen Bildungspolitik“ der vergangenen Jahre gewesen.

Von Spitzensportlern lernt heute auch die Wirtschaft – und zwar ganz direkt: Ex- Tennisprofi Carl-Uwe Steeb arbeitet heute gemeinsam mit anderen ehemaligen Spitzensportlern als Management-Trainer bei einer Leipziger Unternehmensberatung. Die Grundwerte des Sports – Teamfähigkeit, Lust auf Leistung, Siegeswille, mentale Kraft, Ausdauer und Fair Play – seien Erfolgsfaktoren für Karrieren in der Wirtschaft, sagte Steeb beim Bildungsdialog.

Im Sport ist die „Kultur der Anstrengung“ selbstverständlich. Bei der internationalen Unternehmensberatung A.T. Kearney nutze man dieses Potenzial bewusst, sagt Europa-Vizepräsident Werner Borrmann. Hochschulabsolventen, die außer exzellenten Schul- und Studienleistungen auch sportliche Erfolge vorweisen, hätten beste Chancen, als Berater eingestellt zu werden. Aber wo in Deutschland findet das Unternehmen solche Absolventen? Bundesweit überall, sagt Borrmann, aber mit großem Aufwand bei der Suche. Im Gegensatz zu den USA, wo A.T. Kearney neue Mitarbeiter an sieben Spitzenunis rekrutiert, sei hier zu Lande ein Ranking unmöglich. Spitzenleute, die von den überregulierten, von Besitzstandswahrung geprägten Hochschulen nicht verbogen wurden, seien schwer zu finden. Auch hier würde sich Sportsgeist lohnen, sagt Borrmann: Professoren sollten ein Grundgehalt plus Leistungszulagen, Unis eine finanzielle Grundausstattung plus Leistungsprämien bekommen. Dann würden auch ganz normale Unis Elite produzieren.

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