Gesundheit : Silberzwerge als Bakterienkiller Wie winzige Mengen des Edelmetalls vor Keimen schützen

Gideon Heimann

Ein früher bekanntes Hausmittel gegen Bakterien, das bereits im Altertum eingesetzt wurde, kommt mit dem nun wieder aktuellen Thema Legionellen ins Gespräch: Silber und seine Verbindungen. Die Phönizier hielten ihre Wasservorräte auf Seefahrten in silberbeschichteten Gefäßen, die amerikanischen Siedler warfen beim Start ihrer Wanderung nach Westen Silbermünzen in ihre Wasserfässer und bis heute wird das Metall unter anderem von Schiffahrtslinien zur Reinhaltung der Trinkwassertanks verwendet.

Im Gegensatz etwa zu den USA und Japan, wo Wasserreinigungsanlagen auf Silber-Basis angeboten werden, ist dieser Einsatz in Deutschland jedoch untersagt. Denn die Trinkwasserverordnung verbietet die Anwendung von Chemikalien in Konzentrationen, die eine Beeinträchtigung der Gesundheit befürchten lassen. Da solche Aufbereitungen positiv geladene Ionen des Metalls ans Wasser abgeben und Wasser meist in großen Mengen getrunken wird, sind Konzentrationen über zehn Mikrogramm Silber pro Liter Wasser verboten.

Wasserfilter müssen zudem intensiv gewartet werden, sonst entwickeln sie sich zu wahren Brutstätten für Keime. Und dann soll es in einigen Untersuchungen schon zu Resistenzen einiger Bakterienstämme gegenüber den Silber-Ionen gekommen sein.

Anders sieht es allerdings dann aus, wenn das Edelmetall nicht in Lebensmitteln auftaucht. In neuartigen Metallgemischen und in Pulverbeschichtungen für Oberflächen erlebt die antibakterielle Wirkung des Edelmetalls eine Renaissance. Damit lassen sich viel genutzte Gegenstände vor allem in Krankenhäusern ausstatten, wo die Belastung durch Keime besonders groß ist.

So haben zum Beispiel Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung in Bremen in Zusammenarbeit mit der Bremer Firma Bio-Gate an der Entwicklung von Nanokompositwerkstoffen gearbeitet, aus denen auch medizinische Werkzeuge gefertigt werden können. Silberpartikel mit einem Durchmesser weniger Millionstel Millimeter werden auf den Oberflächen angebracht und später kontinuierlich freigesetzt.

Die Ionen zerstören Biokatalysatoren der Kleinstlebewesen, darunter vorrangig jene Enzyme, die Nährstoffe transportieren. Sie destabilisieren Bestandteile der Zelle und stören die Teilung, sprich: die Vermehrung.

Die Anwendungs-Bandbreite der Silberpartikel ist groß. Man kann sie in die Pulverbeschichtung von metallenen Oberflächen integrieren. Pult- und Tischflächen sind dann nicht nur kratzfest, sondern auch keimtötend. Einige Hersteller von Kühlschränken verwenden solche Materialien für die Auskleidung der Innenräume. Aber auch Textilfasern lassen sich damit imprägnieren.

Vor allem in den USA und Japan werden schon viele Hygieneprodukte bis hin zu Wundauflagen mit Hilfe des Silbers keimfrei gehalten, berichten die Fraunhofer-Wissenschaftler.

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