Gesundheit : Sitzenbleiberrekorde

In Bremen und Bayern gibt es die meisten Klassenwiederholer

Die meisten Schüler bleiben in Bremen und Bayern sitzen, die wenigsten dagegen in Brandenburg, Hamburg und Baden-Württemberg. Dies ergibt eine dpa-Auswertung von Zahlen des Statistischen Bundesamtes über das Schuljahr 2000/2001. Danach drehten bundesweit in diesem Schuljahr 281.471 Schüler eine "Ehrenrunde". Bei insgesamt 9.960.781 Schülern entspricht dies einem Bundesdurchschnitt von 2,83 Prozent.

Mit 4,63 Prozent führt Bremen die Länder-Hitliste der Sitzenbleiber an, gefolgt von Bayern (3,75), Sachsen-Anhalt (3,54) und dem Saarland (3,36) - jeweils gemessen an der Landes-Schülerzahl.

In Brandenburg wurden dagegen mit 0,89 Prozent die wenigsten Klassen- Wiederholer gezählt. Nach Aussage seines Bildungsministers Steffen Reiche (SPD) war dort das Sitzenbleiben erst unlängst wieder eingeführt worden. Weit unter dem Bundesdurchschnitt liegen auch die Sitzenbleiber-Zahlen in Hamburg (1,87) und in Baden-Württemberg (2,15). Auch Berlin schneidet relativ günstig ab: Dort mussten von den knapp 400 000 Schülern 9 346 eine Wiederholungsrunde absolvieren. Das entspricht einer Quote von 2,38.

Nach Berechnungen des Bildungsforschers Klaus Klemm (Essen) "kostet" die Länder die einjährige Schulzeit-Verlängerung der 281.471 Sitzenbleiber rund 16.500 Lehrerstellen. Dies entspricht Personalausgaben in Höhe von rund 850 Millionen Euro (1,6 Milliarden Mark). Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hatte gefordert, dieses Geld besser in die individuelle Förderung von Schülern mit Lernschwächen zu stecken - wie dies beispielsweise in den skandinavischen Schulsystemen erfolgreich vorgemacht wird. Die Kultusminister haben dies aber fast einmütig abgelehnt.

Unter den Schulformen finden sich an den Realschulen mit sechs Prozent die meisten Sitzenbleiber, gefolgt von den Hauptschulen (4,3), den Gymnasien (3,2) und den Grundschulen (1,9). Unter den 281.471 Sitzenbleibern des Schuljahres 2000/2001 stellen die Jungen mit 166.025 mit Abstand die Mehrheit.

Die internationale Schulleistungsstudie "Pisa" hatte ergeben, dass in Deutschland jeder vierte 15 jährige Schüler im Verlauf seiner Schulzeit mindestens einmal sitzen geblieben ist. Kein Schulsystem eines anderen Industrielandes hat eine so hohe Sitzenbleiber-Quote. Dies wirkt sich auf das Durchschnittsalter der Absolventen aus.

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