Gesundheit : Sojus alleine schafft’s nicht

Die russischen Kapseln können die Raumstation nicht versorgen

Joachim Mahrholdt

Die Explosion des Space-Shuttles Columbia am Himmel über Texas und der Tod der sieben Besatzungsmitglieder ist in erster Linie eine menschliche Tragödie. Sie ist aber gleichzeitig ein technisches, wissenschaftliches und auch wirtschaftliches Desaster für die internationale Raumfahrt. Der Space-Shuttle ist neben den russischen Sojus-Kapseln das einzige Transportmittel zur Internationalen Raumstation. Die Station, an der neben den USA und Russland auch Europa, Japan und Kanada beteiligt sind, sieht jetzt einem ungewissen Schicksal entgegen. Mit dem Transport neuer größerer Elemente, wie ihn vor allem die US-Raumfähren erledigen, ist vorerst vorbei. Russische Raketen aber können nicht einspringen.

Für die Versorgung der Raumstation sind die amerikanischen Raumfähren unverzichtbar. Sie allein sind in der Lage, neben einer Besatzung von sieben Personen größere Nutzlasten von bis zu 25 Tonnen Masse in den Orbit und zurück zu transportieren. Die russischen Kapseln der modernsten Version Sojus-TM haben Platz für drei Astronauten. Mit höchstens 50 Kilogramm weiterer Zuladung sind sie für die Rückführung von Experimenten von der Station unbedeutend. Der europäische Beitrag zum Materialtransport ins All, das ATV (Automatic Tranfer Vehicle), existiert bislang nur auf dem Papier.

Im Unterschied zu den Raumfähren eigenen sich die Sojus-TM-Kapsel nur für einen einzigen Flug. Ihr Hitzeschild funktioniert ganz klassisch nach der so genannten Ablationskühlung, wie sie auch die amerikanischen Kapseln aus der Frühzeit der Raumfahrt verwendeten: Die enorme Reibungshitze von 1500 Grad Celsius oder mehr bringt Material zum Schmelzen und Verdampfen und leitet so die Wärme ab.

Zweieinhalb Jahre waren es, bis nach der Explosion der Raumfähre Challenger im Januar 1986 wieder ein Shuttle flog. Wie lange es diesmal dauern wird, bis die Ursachen des Unglücks gefunden und die technologischen Konsequenzen gezogen sein werden, weiß zur Stunde niemand. Für zahlreiche Projekte aus der ganzen Welt dürfte es das Ende bedeuten. In der Industrie und an den Universitäten wird dieses Unglück deshalb weltweit Jobs und Karrieren kosten.

Die Raumfahrt-Industrie ist international ohnehin in einer ernsten Krise, weil der Satelliten-Boom der 90er Jahre vorbei ist. In den USA haben zudem Sparkommissare dafür gesorgt, dass Nachfolge-Projekte für die Raumfähren wieder in den Schubladen verschwanden. Jetzt hat man keine Perspektive, wie es im kommenden Jahrzehnt weitergehen könnte. An einen Flug zum Mond oder zum Mars denkt augenblicklich niemand mehr.

Die Europäer werden den unlängst erlittenen Verlust der neuesten und stärksten Version ihrer Ariane-5-Rakete aller Voraussicht nach in einem halben Jahr verarbeitet haben. Die Nasa wird jedoch Jahre brauchen, bis Raumfähren wieder „routinemäßig“ verkehren werden.

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