Gesundheit : Sparen, sparen, sparen

U.S.

Die Technische Universität steht vor einem schwierigen Haushaltsjahr. Sie muss ein Defizit von etwa 22 Millionen Mark oder 11,18 Millionen Euro bewältigen. Das wirft ihr ganzes Konzept mit der Selbstständigkeit der Fakultäten über den Haufen. Bisher hat die Technische Universität den Haushalt zentral verwaltet und wollte jetzt mit einer Zuteilung der Personalmittel an die Fakultäten im Januar 2002 beginnen. Diese Budgetierung war als große Reform angekündigt worden: die Verantwortung der Fakultäten soll den Wettbewerb stärken und dadurch die Leistungen heben. Jetzt kann diese Reform nicht umgesetzt werden.

Das Risiko wäre angesichts einer Unterdeckung in Höhe von 22 Millionen Mark im zweiten Jahr hintereinander zu groß. Schon in diesem Jahr konnten nicht alle frei werdenden Stellen sofort besetzt werden. Bis zur Neubesetzung verging oft ein halbes Jahr. Vor allem wurde bei den wissenschaftlichen Mitarbeitern wieder zuerst gespart - weil deren Stellen auf Zeit und nicht wie bei den Professoren auf Lebenszeit vergeben werden. Hier können nach wie vor nur 85 Prozent der Stellen besetzt werden. Das wird 2002 so bleiben, kündigte TU-Kanzler Bröker vor dem Kuratorium an. Der Einstieg in die Budgetierung des Personalhaushaltes fällt daher denkbar mager aus: Die Fakultäten dürfen von 2002 an nur über studentische Mitarbeiterstellen und jene Stellen entscheiden, die unvorhergesehen durch Kündigung oder Tod frei werden. Das Gesamtetat der TU liegt bei 340,2 Millionen Euro.

Damit nicht genug: Weil die TU wie die anderen Berliner Universitäten auch ein Drittel ihres Professorenbestandes aufgeben muss, stehen viele Stellen auf Überhanglisten, die aber noch mit 20 Millionen Mark zu finanzieren sind. Auch bei der Eintreibung der Einschreibgebühren, für die die Studenten in jedem Semester 100 Mark aufwenden müssen, macht die TU ein schlechtes Geschäft. Sie muss diese Einschreibgebühren an den Landeshaushalt abführen - als Bemessungsgrundlage dient das Jahr 1996, als die TU noch 36 000 Studenten hatte. Heute zählt sie rund 30 000 Studenten, aber sie muss immer noch eine Summe abgeben, die einer Zahl von 36 000 Studenten entspricht. Dadurch ist ihr ein Verlust von 7,6 Millionen Mark aufgebürdet worden.

Den Sparzwängen fällt letztlich auch die Versuchsanstalt für Wasserbau und Schiffbau zum Opfer. Sie besteht als Einrichtung des Landes Berlin seit fast 100 Jahren und war erst 1994 der Technischen Universität eingegliedert worden. Die TU macht geltend, dass die Versuchsanstalt mehr koste, nämlich 2,8 Millionen Mark im Jahr als sie an Drittmitteln einbringt. Das sind 900 000 Mark im Jahr. Der Ertrag an vier Diplomarbeiten und und zwei Doktorarbeiten seit 1995 seit zu gering. Nun wird die Versuchsanstalt zum 1. Januar aufgelöst - das beschloss das Kuratorium, dem die letzte Entscheidung in diesen Fragen zufällt. Den bisherigen 40 Mitarbeitern sollen Stellen innerhalb der TU angeboten werden. Die für den Schiffbau wichtigen Anlagen wie die Wellenmaschine und der Schleppwagen will die TU veräußern. Der Leiter des Versuchsanstalt, Professor Hans Amann, machte vergeblich geltend, dass die Versuchanstalt mit genügend Aufträgen versehen sei und noch einige Jahre arbeiten könnte.

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