Gesundheit : „Spiegel“ und „Focus“ machen Schule

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Je lauter die Bildungsforscher über die deutschen Schulen klagen, desto mehr wächst auch das Interesse an ihnen. Das gestiegene Informationsbedürfnis gerade von Eltern wollen jetzt gleich zwei Sonderhefte der großen Nachrichtenmagazine bedienen: Am 7. September erschien das „Spiegel special“ „Lernen fürs Leben – Reformwerkstatt Schule“ (Auflage 220 000 Exemplare), am vergangenen Mittwoch „Focus Schule“ mit der erstaunlich hohen Auflage von 450000 Exemplaren.

Die beiden Hefte richten sich an dieselben Zielgruppen: Eltern und Lehrer. Aber sie verfolgen, wie man es auch von ihren Muttermagazinen kennt, unterschiedliche Ansätze. „Focus Schule“ ist serviceorientiert, enthält Tipps für den Schulerfolg, Tests („Welcher Lerntyp ist mein Kind?“) und einen „Lernatlas“ für alle Klassenstufen, bunte Themen („Küsse in der Klasse“) und PromiGeschichten („Kinder von Prominenten erzählen“), das Ganze mit luftiger Optik und überwiegend kurzen Texten.

„Spiegel special“ dagegen ist politischer, problemorientierter, ausführlicher. In „Focus Schule“ etwa wird die Berliner Psychologin Elsbeth Stern im Kurz-Interview gefragt, welche Tipps sie Eltern von schlechten Schülern geben kann, im „Spiegel special“ ist sie mit einem zweiseitigen Aufsatz zu den „Grenzen der Lernforschung“ vertreten. Wer gerne „Eltern“ oder „Familie & Co“ liest, wird auch in „Focus Schule“ Lebenshilfe finden, wer den „Spiegel“ bevorzugt und einige der Schulgeschichten – die meisten Texte sind zwischen 2002 und 2004 erschienen und wurden aktualisiert – verpasst hat, findet sie hier handlich zusammengestellt, von Drogen und Gewalt auf dem Schulhof über die schlechten Leistungen der Jungen bis hin zu „Reiten als Schulfach“. Der „Spiegel“ will informieren, „Focus“ Schule „positiv aufbereiten“: Beides hat seine Berechtigung. Was welcher Leser gerade braucht, weiß er oder sie selbst am besten.D.N.

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