Gesundheit : Sponsoren für die Bildung gesucht

Hermann Horstkotte

Wissenschaft und Bildung blicken schon lange sehnsüchtig auf die großen Sponsoringtöpfe für Kultur und Sport. Als Ausbilder der nächsten Generation und Forschungsstätten sind sie doch zukunftsweisende Einrichtungen, ohne dass sie bisher zu Konkurrenten ums Geld geworden sind. Und während bei den gemeinnützigen Organisationen Kinder und Jugendliche als Magneten für Spendensammlungen gelten, können Bildungseinrichtungen das für sich kaum nutzen. Der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft hat sich vorgenommen, das zu ändern. Dabei ist auch der Bundeswettbewerb Mathematik ins Blickfeld geraten.

Spitzfindige Knobeleien im Internet als Schüler-Training für den traditionellen Mathematik-Wettbewerb mit Bandenwerbung eines Sponsors aus der Versicherungswirtschaft; eine "Mathe-Nacht" auf der Vorstandsetage als unvergesslicher "Event" für Zehntklässler - das sind Vorschläge, die Dieter Mussler vom "Fachverband für Sponsoring" entwickelt hat. Sie dienen gleichermaßen der Förderung des "harten" Schulfachs wie zur Profilierung des Versicherungsnamens ("Zürich"). Die Verbindung hat der Stifterverband hergestellt.

Sein Präsident Arend Oetker erinnerte jetzt bei einer Tagung in Köln daran, dass die Wirtschaft sich bislang überhaupt zu wenig für die Allgemeinbildung und Lehrerfortbildung eingesetzt habe. Diese Aufgabe soll jetzt zu einem zweiten Schwerpunkt in der Verbandsarbeit neben der Forschungsförderung werden. Auf diesem Feld erprobt der Stifterverband zugleich ein neues Förderinstrument - "wer nicht stiften will, soll sponsern" heißt die Botschaft an die Unternehmen. Von den rund fünf Milliarden Mark, die im Jahr für Sponsoring ausgegeben werden, fließt bisher höchstens ein Prozent in die Bildung. Von den Bemühungen um mehr sollen natürlich auch die Projekte des Stifterverbandes profitieren. Dazu gehört nicht zuletzt der Bundeswettbewerb Mathematik. Der Wettbewerb kann und soll schon wegen seiner Gemeinnützigkeit nicht nach dem neuen Sponsor umbenannt werden, wie das Hamburger Fußballstadion zur AOL-Arena. Er kann jedoch bei den bundesweiten Ausscheidungen zumindest dezent mit seinem Logo dabei sein.

Der Neuanfang im Bildungssponsoring beginnt nicht von ungefähr mit einem Versicherer. Eine Untersuchung der Beratungsfirma McKinsey hat gezeigt, dass gerade Lebensversicherungs-Marken in ihrem Bekanntheitsgrad extrem schwanken, zwischen 62 und einem Prozent. Nichts kann da den Namen für ein Produkt der Altersvorsorge besser aufpolieren als die Verbindung zur Jugend, ja die geistige Wahlverwandtschaft mit erfolgreichen, jungen Mathematikern.

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