Gesundheit : Sprudelflasche für das Klima Kohlendioxid soll in der Erde verschwinden

Ralf Nestler

Der weltweite Ausstoß an Kohlendioxid ist so hoch wie nie zuvor. Im vergangenen Jahr wurden 27,5 Milliarden Tonnen freigesetzt, davon 834 Millionen Tonnen in Deutschland. Die Konzentration des Treibhausgases in der Atmosphäre hat in den letzten 150 Jahren um ein Drittel zugenommen.

Forscher arbeiten an Methoden, um das Treibhausgas aufzufangen und gar nicht erst in die Atmosphäre gelangen zu lassen. So wollen Wissenschaftler vom Geoforschungszentrum Potsdam (GFZ) herausfinden, wie große Mengen Kohlendioxid sicher im Untergrund gespeichert werden können. Die Technik wird bereits bei der Erdölförderung eingesetzt, um durch den Druck des Gases mehr Öl aus den Lagerstätten zu pressen. Dabei wird aber Kohlendioxid verwendet, das ohnehin im Erdgas enthalten ist und das sich ebenfalls in der Lagerstätte befindet. Nun soll auch Kohlendioxid aus Industrie und Kohlekraftwerken in die Erde statt in die Luft geleitet werden.

Dafür könnten leere Öl- und Gaslagerstätten genutzt werden. Das größte Potenzial sieht die Internationale Energieagentur in Paris in Wasser führenden Gesteinsschichten, die mehrere hundert Meter unter der Erdoberfläche liegen. Experten schätzen, dass so weltweit bis zu zehn Billionen Tonnen Kohlendioxid verschwinden könnten – das ist 370 Mal so viel wie im vergangenen Jahr ausgestoßen wurde.

In Ketzin, westlich von Berlin, wollen die GFZ-Forscher im nächsten Jahr 800 Meter tief bohren. Projektleiter Günter Borm hofft, eine Wasser führende Schicht zu erreichen, in die jährlich bis zu 30 000 Tonnen Kohlendioxid gepresst werden sollen. An der Oberfläche hätte diese Menge das gleiche Volumen wie ein Würfel mit 250 Metern Kantenlänge.

Das Treibhausgas soll in die porösen Schichten eindringen und dabei das Wasser verdrängen, teilweise aber auch darin gelöst werden. „Wie in einer Sprudelflasche“, sagt Borm. Dichte Tonschichten verhindern, dass das leichte Kohlendioxid wieder aufsteigt.

Zurzeit untersuchen die Wissenschaftler an faustgroßen Proben, wie sich die Eigenschaften des Gesteins verändern, wenn bei 80 bar – das ist der Druck in 800 Metern Tiefe – Kohlendioxid durch einen 35 Grad Celsius warmen Sandstein strömt. Für 2006 planen die Potsdamer Forscher eine weltweite Premiere: Sie wollen erstmals sichtbar machen, wie sich Kohlendioxid am Grund des Bohrlochs ausbreitet. Dazu werden mit einem Fünf-Kilogramm-Gewicht kleinste Erdbeben ausgelöst. Die Schwingungen breiten sich in den einzelnen Stoffen unterschiedlich schnell aus. Da die Erschütterungen mit speziellen Mikrofonen an der Oberfläche und im Bohrloch registriert werden, entstehen dreidimensionale Bilder des Gases im Untergrund.

Die Speicherung von Kohlendioxid ist aber nicht billig: Pro Tonne rechnet man mit bis zu 80 Euro. Am teuersten ist die Abtrennung aus dem Rauchgasstrom der Kraftwerke. Mit verbesserten Verfahren sollen die Gesamtkosten auf weniger als 30 Euro sinken.

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