Gesundheit : Staatsbibliothek Berlin: Spenden gegen den Zerfall - Bürger für Bücher: Freundeskreis der Stabi wählte Kuratorium

Heiko Schwarzburger

Der Freundeskreis der Staatsbibliothek Unter den Linden hat sich ein Kuratorium gewählt, das sich künftig um Spenden und Sponsoren für die vom Zerfall bedrohten wertvollen Altbestände bemühen soll. "Wir erwarten, dass diese öffentliche Aufgabe stärker als bisher in das Bewusstsein der Bürger Berlins gerückt wird", sagte Winfried Sühlo, der Vorsitzende des "Vereins der Freunde der Staatsblibliothek".

Elf namhafte Persönlichkeiten des Berliner Lebens haben sich für das ehrenamtliche Kuratorium bereit erklärt, darunter Aufbau-Verleger Bernd F. Lunkewitz und Volker Hassemer, Chef der Vermarktungsgesellschaft Partner für Berlin. Erster Vorsitzender wurde Tagesspiegel-Herausgeber Hermann Rudolph. Sein Stellvertreter ist der Biologe Wolfrudolf Laux, der früher an der Biologischen Bundesanstalt forschte. "Wir wollen gemeinsam mit dem Freundeskreis nach neuen Konzepten für private Sponsoren suchen", erläuterte Hermann Rudolph die wichtigste Aufgabe des Gremiums.

In einer ersten Erklärung warnten die Kuratoren vor weiteren Kürzungen in den Etats für die Bibliotheken in Berlin. Sie kritisierten den "dramatischen Einbruch bei den Neuerwerbungen". Allein an der Staatsbibliothek, der größten Bücherei Berlins, ist der Neukauf von Büchern von 145 000 Bänden im Jahr 1998 auf 115 500 im vergangenen Jahr zusammen geschmolzen. "Die Lücke von mehr als 20 Prozent kann kaum wieder geschlossen werden", kritisierten die Kuratoren. Im laufenden Haushaltsjahr muss die Staatsbibliothek zudem rund eine Million Mark bei Zeitschriften und Zeitungen sparen, dem Rückgrat der aktuellen wissenschaftlichen Literatur. Für die Restaurierung alter Bestände fehlen derzeit 250 Millionen Mark.

"Ohne tatkräftige Hilfe aus der Wirtschaft haben wir keine Chance", sagte Winfried Sühlo. Er verwies auf erste Erfolge mit den so genannten Bach-Patronaten für beschädigte Autographen aus der Feder des berühmten Komponisten. Durch die Unterstützung von Privatpersonen, Stiftungen und Firmen konnte der Freundeskreis innerhalb von 14 Monaten rund zwei Millionen Mark sammeln, um die wertvollsten Schriften vor dem Tintenfraß zu retten. "In den nächsten Monaten wollen wir eine weitere Million aufbringen, dann können wir diese Bestände sichern", meinte Sühlo. "Aber bei Bach war es relativ einfach, die Musikliebhaber anzusprechen. Andere Bestände der Stabi sind nicht so spektakulär, da wird es schwieriger."

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