Gesundheit : Stammzellen: Erwachsene Wunderkinder

Bas Kast

Jeder Mensch verfügt über Stammzellen. Sie lagern in unseren Organen - und können zu Ersatzzellen heranreifen. Die Zellen nennen sich "adulte" Stammzellen. Aber sie sind äußerst selten und deshalb schwer zu finden. Dennoch ist ein australisches Forscherteam fündig geworden - in bis dato unerreichtem Ausmaß. Die Ergebnisse sind im Fachblatt "Nature" veröffentlicht.

Bislang war es Forschern kaum gelungen, Hirnstammzellen von anderen Zellen zu trennen, die Isolierung gelang bislang nur mit einer "Reinheit" von fünf Prozent. Die Australier haben es nun geschafft, Hirnstammzellen mit einem Reinheitsgrad von 80 Prozent zu gewinnen. "Stammzellen sind zwar rar, aber sie lassen sich isolieren", sagte Studienleiter Perry Bartlett dem Tagesspiegel. "Jetzt können wir ihre Eigenschaften studieren." Viel versprechende Eigenschaften, denn der Gruppe gelang es außerdem, die Stammzellen in Muskelzellen zu verwandeln. "Wie es scheint, verfügen adulte Stammzellen über Fähigkeiten, die man früher nur embryonalen Stammzellen zuschrieb", berichten die Forscher.

Eine kanadische Studie ergänzt das Ergebnis der Australier in spektakulärer Hinsicht: Sie zeigt, dass sich Stammzellen aus der Haut von Mäusen in Hirn-, Muskel- und Fettzellen entwickeln lassen. Ähnliche Zellen gibt es auch in der menschlichen Haut.

Zum Thema Online Spezial: Die Debatte um die Gentechnik Stammzellen nähren Hoffnungen und Bedenken. Sie gleichen "medizinischen Wunderkindern", die sich noch nicht auf ein bestimmtes Gewebe spezialisiert haben. Gleichzeitig rufen die embryonalen Stammzellen ethische Einwände hervor - denn um sie zu gewinnen, muss man einen Embryo zerstören. Das ist bei den adulten Zellen nicht nötig.

Gegenüber den embryonalen Stammzellen haben die adulten einen Heimvorteil: Sie könnten vom Patienten selbst geliefert werden, einem Muskelschwund-Patienten etwa. Man könnte der Haut eine Stammzelle entnehmen, sie in Muskelzellen verwandeln, und die degenerierten Muskelzellen durch neue ersetzen - ohne Gefahr einer Abstoßung. Embryonale Zellen dagegen kommen von einem fremden Embryo. Einziger Ausweg: "therapeutisches Klonen". Dabei schafft man einen embryonalen Klon des Patienten als Stammzelllieferant. Das aber ist technisch nicht nur schwierig - es bringt mit der Hoffnung auch die ethischen Einwände wieder.

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