Gesundheit : Stammzellen-Import: US-Forscher schaffen geklontes Nierengewebe

Bas Kast

Während die Abgeordneten im Bundestag über den Import von menschlichen embryonalen Stammzellen abstimmten, machte eine weitere Sensationsmeldung aus der Genforschung die Runde: US-Klonforschern sei es gelungen, Nieren aus Stammzellen herzustellen, berichtet das Wissenschaftsmagazin "New Scientist".

Zum Thema Dokumentation: Die Debatte um die Stammzellen-Forschung
Stichwort: Embryonale und adulte Stammzellen
Bei dem Verfahren handelt es sich um das umstrittene "therapeutische Klonen". Der Leiter des Forschungsteams, Robert Lanza von der Biotech-Firma Advanced Cell Technology in Worcester (US-Bundesstaat Massachusetts), erregte erst im vergangenen November Aufsehen, als er verkündete, die ersten geklonten menschlichen Embryos hergestellt zu haben.

Diesmal stellten Lanza und sein Team zunächst embryonale Klone von erwachsenen Kühen her. Dem Innern des Embryos entnahmen die Forscher Stammzellen, die sie in Nierenzellen reifen ließen - woraus schließlich "Mini-Nieren" entstanden. Diese Mini-Nieren transplantierten die Wissenschaftler in erwachsene Kühe, wo sie offenbar im Stande waren, Urin zu produzieren.

Details wollten Lanza und seine Leute nicht nennen. Noch sind weder die Methode noch die Ergebnisse der Studie in einem Fachmagazin erschienen. Bereits bei der Ankündigung der geklonten menschlichen Embryonen hagelte es Kritik nicht nur von ethischer, sondern auch von wissenschaftlicher Seite.

"Wir können ganz klar sagen, dass die Nieren Urin produzierten und mehrere Monate in den Kühen überlebten", zitiert die "Washington Post" Lanza. Und gegenüber dem "New Scientist" sagte der Klonforscher: "Es ist bloß der Beweis, dass man mit therapeutischem Klonen ein funktionsfähiges Organ herstellen kann."

Unter dem Schlagwort "tissue engineering" träumen Forscher seit langem davon, Gewebe zu züchten, um es für Transplantationen zu nutzen. Die Methode des "therapeutischen Klonens" allerdings ist sogar unter Wissenschaftlern höchst umstritten.

Denn dabei muss erstens ein Embryo geschaffen werden mit dem genetischen Material des Patienten. Der große Vorteil: Das Gewebe, das man anschließend aus den Stammzellen dieses Embryos entwickelt, ist mit dem Gewebe des Patienten genetisch identisch. Eine der größten Hürden der Transplantationsmedizin wäre damit überwunden: die Abstoßungsgefahr. Außerdem müssten Nierenpatienten nicht mehr verzweifelt auf eine Niere warten.

Der Nachteil allerdings ist, dass für diese Therapie nicht nur ein Embryo eigens hergestellt und anschließend vernichtet werden muss. Auch braucht man für das therapeutische Klonen, weil die Technik nur sehr dürftig funktioniert, eine Großzahl von Eizellen - Frauen würden so zu "Rohstoff-Lieferantinnen". "Ich bin deshalb überzeugt davon, dass das therapeutische Klonen in dieser Form nie in die klinische Praxis kommen wird", sagte Stammzellforscher Oliver Brüstle, der embryonale Stammzellen nach Deutschland importieren möchte, in einem Gespräch mit dem Tagesspiegel.

Nierenexperten zeigten sich skeptisch, ob Lanza tatsächlich komplette Nieren hergestellt habe. "Ich wäre sehr überrascht, wenn sie ein Organ mit einem solch komplexen System von Blutgefäßen nachbilden könnten", sagte ein namentlich nicht genannter Wissenschaftler gegenüber dem Magazin "New Scientist".

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