Gesundheit : Staubteufel und Flussläufe

Eine Berliner Kamera verspricht die schärfsten Marsbilder

Rainer Kayser

Wenn das europäische Raumfahrzeug den Mars von Januar an umkreist, möchten Forscher die bislang schärfsten Aufnahmen des Planeten machen. Eine in Deutschland entwickelte und gebaute Kamera soll die farbigen dreidimensionalen Bilder liefern. Je nach Flughöhe können Panoramaufnahmen mit einer Auflösung von 10 bis 30 Metern gemacht werden. Eine Zusatzoptik der Kamera zeigt zugleich einen Teilausschnitt des Bildes, auf dem auch noch lediglich zwei Meter große Details zu erkennen sind.

Diese Kombination ist für die Marsforscher von großer Bedeutung. „Da sich das Bild mit zwei Metern Auflösung innerhalb des Bildes mit zehn Metern Auflösung befindet, wissen wir stets ganz genau, wohin wir gucken“, sagt Gerhard Neukum von der Freien Universität Berlin, unter dessen Leitung die Kamera entwickelt wurde. Zwar haben schon frühere Sonden ähnlich detaillierte Ansichten geliefert, doch die Positionen der aufgenommenen Regionen waren nur auf einige Kilometer genau bekannt.

Mit der neuen Kamera wollen Neukum und sein Team den Mars innerhalb von vier Jahren komplett kartieren. Rund ein Prozent der Oberfläche des Planeten soll dabei in der höchsten Auflösung aufgenommen werden. Die Kamera zeichnet dabei gleichzeitig Bilder in vier verschiedenen Farben und aus fünf verschiedenen Blickwinkeln auf.

Durch die Kombination der unterschiedlichen Blickwinkel können die Forscher dann ein Höhenprofil der Oberfläche erstellen. Obwohl sich mit der Kamera relative Höhenunterschiede mit einer Genauigkeit von bis zu zehn Metern bestimmen lassen, kann die Kamera die absolute Höhe von Geländeformationen nicht so genau bestimmen wie das Lasermessgerät an Bord des amerikanischen „Mars Global Surveyor“. Dessen Daten sind allerdings nicht flächendeckend.

Vor allem die Kombination der nun zu erwartenden Aufnahmen sei „absolut fantastisch“, sagt Neukum. Seiner Ansicht nach sollte sich so unter anderem endgültig klären lassen, ob es auf der Nordhalbkugel des Mars einst einen großen Ozean gab.

Außerdem wollen die Planetologen das Wettergeschehen auf dem Planeten studieren. „Wir können damit Wolken, Nebel und Staubteufel sehen – kleine Wirbelwinde, die Staub bis zu mehreren Kilometern hoch aufwirbeln“, sagt Neukum. „Die Bilder werden den größten Fortschritt in unserem Verständnis des Mars seit den Viking-Sonden in den 70er Jahren bringen.“

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