Gesundheit : Steinzeitmenschen rotteten Tiere aus

RHK

Bereits in der Eiszeit und unmittelbar nach ihrem Ende haben Menschen viele Tierarten ausgerottet, berichten Richard Roberts von der University of Melbourne in Australien und John Alroy von University of California in Santa Barbara (Science, Band 292, Seiten 1888 und 1893). Als die ersten Menschen vor rund 56 000 Jahren Australien erreichten, lebten dort 23 Arten von Säugetieren, Reptilien und Vögeln, deren Exemplare mehr als 45 Kilogramm auf die Waage brachten. Genau solche Großtiere aber erlegten die frühen Jäger und Sammler gern, weil bereits ein Exemplar die Fleischtöpfe der Sippe gut füllte.

Bisher wusste aber niemand, wann diese Großtier-Arten eigentlich verschwanden. Mit Hilfe von Isotopen-Analysen untermauern Richard Roberts und seine Kollegen jetzt die Theorie des Overkills durch den Menschen: Binnen zehntausend Jahren nach Ankunft des Menschen waren 95 Prozent der Großtierarten vom fünften Kontinent verschwunden. Ob dieses Artensterben auch durch die Umgestaltung der Landschaft durch den Menschen mitverursacht wurde, ist derzeit noch nicht bekannt.

Wie schnell ein solches Artensterben aber passiert, hat John Alroy mit einer Computer-Simulation der Naturgeschichte Nordamerikas gezeigt. Unmittelbar nach der letzten Eiszeit verschwanden dort drei Viertel aller großen Pflanzenfresser. Da der Mensch aber erst wenige Jahrhunderte vorher in diese Gebiete vorgedrungen war, konnte sich bisher niemand so recht vorstellen, wie die Jäger mit ihren relativ primitiven Waffen rund dreißig große Säugetier-Arten so schnell ausrotten konnten. Der Computer aber zeigt, dass dies bereits hundert Menschen in 1200 Jahren schaffen, wenn man von einem jährlichen Bevölkerungswachstum von zwei Prozent ausgeht und annimmt, dass Großtiere den damaligen Menschen rund zehn Prozent des täglichen Kalorienbedarfs geliefert haben. Die Jäger haben wohl gar nicht gemerkt, dass sie sich ihrer Lebensgrundlage beraubten, weil sich das Artensterben über etliche Generationen hinzog.

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