Gesundheit : Stereobilder aus dem Inneren

Paul C. Lauterburs Entdeckung wurde lange unterschätzt

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Die Ehrungen häufen sich für Paul C. Lauterbur. Nachdem die EduardRhein-Stiftung in Hamburg den bärtigen Chemieprofessor aus Urbana im US-Bundesstaat Illinois bereits für ihren diesjährigen Technologiepreis ausgewählt hat, kam jetzt die Krönung. „Entscheidende Entdeckungen in Bezug auf den Einsatz von Magnetresonanz“ – so das Nobelpreiskomitee – waren es, die dem 74-Jährigen zusammen mit Peter Mansfield die höchste wissenschaftliche Auszeichnung einbrachte.

Den Nobelpreis für Medizin erhalten ein Chemiker und ein Physiker. Das spricht dafür, dass es sich bei der Magnetresonanz-Tomographie um ein Grundlagenverfahren handelt. Es geht darum, innere Strukturen sichtbar zu machen. Der Beitrag, den Lauterbur vor allem in den 70er und 80er Jahren leistete, liegt in der Möglichkeit, zweidimensionale Bilder herzustellen. Dies gelang durch Hinzuschalten weiterer Magnetfelder.

„Lauterburs Idee war sofort verständlich“, sagt Ulrich Haeberlen vom MPI in Heidelberg. Dennoch sei das Potenzial der Erfindung, die heute in weltweit jährlich rund 60 Millionen Untersuchungen per Magnetresonanz mündet, nicht gleich erkannt worden. Als Lauterbur sein Verfahren zum Patent anmelden wollte, habe er nicht einmal Unterstützung von seiner Universität bekommen, sagt Jens Frahm vom Max-Planck-Institut für Biophysikalische Chemie in Göttingen. Inzwischen hat diese Technologie, für deren Entdeckung es 1952 den Nobelpreis für Physik gab, die Medizin revolutioniert.

„Die Auszeichnung von Lauterbur wurde längst erwartet“, sagt Frahm. Auch die gleichzeitige Ehrung von Mansfield begrüßt er. Damit werde der europäische Anteil berücksichtigt, sagt der MPI-Experte, der selbst an der zukunftsträchtigen Technologie forscht und die Nobelpreisträger von wissenschaftlichen Tagungen gut kennt.

Von solchen Treffen kann auch Haeberlen Geschichten erzählen. Beispielsweise habe sich Lauterbur daran gestört, dass viele Referenten ihre Overhead-Folien beim Vortrag zunächst abdeckten und dann stückweise freigaben. „Lauterbur hat es dann mit einer völlig leeren Folie genauso gemacht“, sagt Haeberlen.

Dabei hatte Lauterbur aufregende Bilder zu präsentieren. Er erkannte frühzeitig, dass sich räumliche und chemische Informationen verknüpfen und so Stoffwechselvorgänge im Körper verfolgen lassen.

Der 1929 in Sidney im US-Bundesstaat Ohio geborene Lauterbur studierte Chemie an der Universität Pittsburgh. Von 1969 bis 1985 war er Professor für Chemie und Radiologie an der Universität von Stony Brook in New York, bevor er den Lehrstuhl an der Universität von Illinois übernahm. Bis heute leitet er dort zudem ein Labor für Magnetresonanz-Forschung. pja

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