Gesundheit : Stereobilder vom kosmischen Feuersturm

Weltraumsonden beobachten Sonnenausbrüche. Potsdamer Forscher arbeiten mit

Paul Janositz

Ein grandioses Schauspiel bietet die Sonne, wenn sie riesige feurige Gaswolken von der Oberfläche ins All schleudert. Zeitpunkt und Häufigkeit des kosmischen Feuerwerks sind allerdings unbestimmt. „In 14 Tagen können zehn Eruptionen auftreten“, sagt Gottfried Mann vom Astrophysikalischen Institut Potsdam. Dann könne aber auch vier Wochen lang Sendepause sein.

Bisher hapert es an der guten Sicht auf das rund 150 Millionen Kilometer von der Erde entfernte Spektakel. Dem sollen nun zwei Weltraumsonden abhelfen, die in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag gegen zwei Uhr mitteleuropäischer Zeit von Cape Canaveral in Florida starten sollen. „Stereo“ (Solar Terrestrial Relations Observatory) heißt das Projekt der amerikanischen Weltraumbehörde Nasa, bei dem auch die Potsdamer Wissenschaftler mitarbeiten. Sie entwickeln die Software, um die Datenflut aus dem All auswerten zu können.

Das Ergebnis werden dreidimensionale Bilder sein, mit denen sich Position und Geschwindigkeit der Gaswolken aus Protonen, Elektronen und Helium bestimmen lassen. Vor allem die Eruptionen, die mit Geschwindigkeiten von bis zu 2000 Kilometer pro Sekunde in Richtung Erde geschleudert werden, sind im Visier der Stereo-Sonden mit ihren vielen Messinstrumenten. „Die eine Sonde bewegt sich der Erde voraus, die andere hinterher“, sagt Mann. Auf diese Weise können die beiden Observatorien 3-D-Bilder erzeugen.

An dem zweijährigen Projekt nehmen weltweit viele Wissenschaftler teil. Das Potsdamer Team um Mann arbeitet am Instrument „Stereo-Waves“ mit. Das ist ein Radioempfänger, der die vom Gassturm erzeugten Stoßwellen und energiereiche Elektronen misst. Letztere können sich als besonders störend erweisen. Sie können Astronauten beim Weltraumspaziergang gefährden oder Satelliten beschädigen. Das kann etwa Navigationsgeräte durcheinanderbringen.

Auch das Magnetfeld der Erde kann gestört werden. So fiel 1989 in der kanadischen Provinz Quebec das gesamte Stromnetz aus. „Die Stereo-Misson soll helfen, das Weltraumwetter besser zu verstehen“, sagt Mann. Mit dem dreidimensionalen Blick könne man präzise bis zu einem Tag im Voraus sagen, ob der solare Sturm auf die Erde ziele oder vorbeigehe.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben