Gesundheit : Strahlenschutzbericht vorgestellt: Das Gen, das Hautkrebs wachsen lässt

Carsten Germis

In den USA haben zwei Wissenschaftlerteams das genetische Geheimnis des Hautkrebs-Wachstums geknackt. Sie untersuchten den sogenannten schwarzen Hautkrebs, der auch als Melanom bekannt ist. Wie das Magazin "Nature" in seiner neuesten Ausgabe berichtet, identifizierten die Forscher Gene, die das Wachstum von Tumoren beschleunigen. "100 Jahre lang haben wir Melanome durch die Linse eines Mikroskops betrachtet und uns gefragt, warum Tumore, die ähnlich aussehen, sich so unterschiedlich entwickeln", sagte Jeffrey Trent, einer der Wissenschaftler am National Human Genome Research Institute in Bethesda im US-Bundesstaat Maryland: "Jetzt haben wir die Linse der Genetik benutzt." Trents Team identifizierte Gene, die mit dem stark wuchernden Melanom-Zellen in Zusammenhang stehen. Im Tierversuch an Mäusen beim Massachusetts Institute of Technology bestätigte sich die Wirkung eines dieser Gene, das als "RhoC" bekannt ist. In Versuchen wucherten gutartige Tumore 50 Mal stärker, wenn "RhoC" aktiv war. Dagegen ging das Wachstum von Melanomen um 80 Prozent zurück, wenn dieses Gen blockiert wurde.

In der Bundesrepublik hat sich der schwarze Hautkrebs zwischen 1970 und 1993 verdreifacht. Das berichtete der Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz, Wolfram König, als er am Mittwoch in Berlin gemeinsam mit Umweltminister Jürgen Trittin (Bündnis90/Die Grünen) den Jahresbericht 1999 seiner Behörde vorstellte. In unseren Breitengraden nehmen Hautkrebserkrankungen der hellhäutigen Bevölkerung jährlich um etwa sieben Prozent zu. Das ist nach Angaben des Strahlenschutz-Amtes "die höchste Zuwachsrate aller bösartigen Tumore". Schuld daran ist keinesfalls das so genannte Ozonloch, sondern das veränderte Freizeitverhalten. Braun sein ist schick, und mancher unterschätzt im Urlaub im Süden die Wirkung der Sonnenstrahlung. Trittin und König warnten daher vor zu langem Sonnenbaden und wiesen nachdrücklich auf die Gefahren solarer ultravioletter Strahlung hin. Königs Tipps: Sonnenbrände vermeiden, die Haut bedecken, vor allem bei Kindern.

Ein weiterer Punkt im Strahlenschutzbericht: Patienten in der Bundesrepublik werden von ihren Ärzten zu häufig zum Röntgen und zu nuklearmedizinischen Untersuchungen geschickt. Deswegen will die Bundesregierung die Mediziner dazu bringen, Nutzen und Risiken einer Röntgenuntersuchung oder einer Computertomographie künftig in jedem einzelnen Fall stärker abzuwägen und ihre Patienten darüber zu informieren. Dazu soll auch eine Novelle der Röntgenverordnung beitragen, sagte Trittin. Trotz der wachsenden Verbreitung nichtstrahlender Untersuchungsmethoden wie Endoskopie, Ultraschalldiagnostik und Magnet-Resonanz-Tomographie sei die Strahlenbelastung der Bevölkerung bei der medizinischen Diagnostik gestiegen, beklagte König. Im Mittel erhöhte sie sich "von 1,5 Millisievert auf zwei Millisievert pro Person und Jahr und liegt damit höher als in anderen europäischen Ländern", stellte er fest. Das Ziel der Bundesregierung beschrieb Trittin so: Die deutschen Werte sollten im Verhältnis zu denen der Nachbarländer "auf Normalmaß gebracht" werden.

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