Gesundheit : Streitbar in acht Sprachen

Der Theologe und Kulturkritiker Ivan Illich ist tot

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Armenpriester, Zivilisationskritiker, Reformpädagoge – Ivan Illich, der am Dienstag im Alter von 76 Jahren in Bremen an Krebs starb, war ein radikaler Denker. Als Sohn eines katholischen Kroaten und einer lutherisch getauften deutschen Jüdin sprengte Illich nahezu jeden Rahmen. Er sprach acht Sprachen, hatte Geschichte, Kristallographie, Philosophie und Theologie jeweils bis zum Abschluss studiert. Zuletzt lehrte er an der Universität Bremen und war Gastprofessor an der Universität von Pennsylvania.

Nach der Priesterweihe widmete sich Illich den Armen Puerto Ricos. In Mexico gründete er eine Alternativuniversität, die angeblich „Treffpunkt aller lateinamerikanischen Guerilleros“ war, und bereitete der katholischen Kirche einen beispiellosen Skandal:Illich konterte ein Glaubensverfahren mit der Offenlegung eines geheimen Dokuments.

Er schmuggelte die 85 Fragen, die ihm die Kongregation für die Glaubenslehre in einem KellerVerhör in Rom vorlegte, an die Öffentlichkeit und stellte die Kurie damit bloß. Bald darauf verzichtete Illich auf sein Priesteramt. Er war einer der frühen und wegweisenden Zivilisationskritiker unserer Zeit. In den 70er und 80er Jahren machte er weltweit mit streitbaren Publikationen zur „Entschulung der Gesellschaft“, zur „Selbstbegrenzung“ und zur „Nemesis der Medizin“ auf sich aufmerksam. dpa

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