Gesundheit : Studenten können in einer virtuellen Hausgemeinschaft mitspielen - und Jobs gewinnen

Christoph Rasch

"NetEddy" hat Augen wie ein Alien, eine Teletubbie-Antenne auf dem Kopf und trägt ein Hawaii-Hemd á la Jürgen von der Lippe. NetEddy ist eine Comicfigur, die persönliche und berufliche Daten von Studenten herausfinden soll. Und NetEddy bewohnt eine virtuelle Wohngemeinschaft im Internet, die von studentischen Mitspielern gesteuert wird. Sozusagen "Big Brother" zum Mitmachen. Die Gemeinschaft mit NetEddy bildet den Rahmen für das Online-Abenteuer "Cyquest", das am Montag im Internet gestartet wurde. Es will Studierende und Hochschulabsolventen "spielend" zu Jobs und Praktika verhelfen.

Die Spielidee ist simpel. Die finstere Internet-Macht "DARQ" will das Internet unterwandern und bedroht die virtuelle Wohngemeinschaft von NetEddy und seinen Freunden. Den putzigen Vertretern der Gattung "Onlein", einer Art lernfähiger Internet-Lebewesen, muss der menschliche Spieler im Kampf gegen das Böse unter die Ärmchen greifen. Die Onleins sind neugierig. Auf der Suche nach der sagenhaften rettenden Datei - einer Schnitzeljagd durch Personal-Webseiten von Unternehmen - muss der studentische Spieler zum einen persönliche Fragen beantworten - zu Lebenslauf, Gewohnheiten und bereits erworbenen beruflichen Qualifikationen. Zum anderen sollen die Mitspieler allerlei knifflige Aufgaben lösen: Führungs- und Kommunikationsfähigkeit, Auffassungsgabe und Flexibilität sind gefordert. Das Cyber-Rätsel entpuppt sich als Eignungstest mit Unterhaltungswert.

Die Ergebnisse der "spielerischen Entscheidungssituationen" und der abgefragte Werdegang mit rund 60 persönlichen Fakten wandern in eine zentrale Datenbank. Mit Hilfe dieser Daten können Partnerfirmen wie BMW, McKinsey oder Atecs Mannesmann gezielt nach qualifiziertem Nachwuchs für Jobs und Praktika suchen.

Die Idee, die bislang mühsame Erhebung solcher individueller Bewerberprofile per Online-Game zu erleichtern, kam den vier jungen Erfindern von "Cyquest" während ihres Wirtschaftsstudiums im kalifornischen Berkeley. Einer von ihnen ist Joachim Diercks. Aus der Idee wurde eine eigene Internet-Firma in Hamburg. "Mit dem Spiel", sagt Diercks, "bieten wir Unternehmen eine zeitgemäße Möglichkeit, auf kreative und ungewöhnliche Weise Kontakt zu potenziellen Bewerbern aufzunehmen." Und die erwarteten rund 10.000 "Cyquest"-Teilnehmer hätten die Chance, "die ersten Sprossen ihrer Karriereleiter spielerisch zu erklimmen", so Diercks.

Die Zielgruppe erscheint riesig: drei Viertel aller Hochschulabsolventen suchen inzwischen im Internet nach Jobs. Joachim Diercks und seinen drei Mitstreitern hat das eigene "Startup" inzwischen mehr als einen Karriereeinstieg beschert. Das kreative Quartett schlug nach dem Studium sechsstellig dotierte Jobangebote in der Wirtschaft aus und machte sich stattdessen an den Businessplan eines eigenen Unternehmens. Mit Erfolg: Ihre im Februar gegründete "Cyquest Internet AG", inzwischen auf 16 Mitarbeiter gewachsen, ist als einer der Sieger im bundesweiten Gründerwettbewerb Multimedia ausgezeichnet worden. Und von der Hamburger Wirtschaftsbehörde gab es 80.000 Mark Anschubfinanzierung. Ein erfolgreicher Probelauf der Spielidee im Februar bestätigte schließlich den Optimismus der vier Jungunternehmer. Diercks: "Die Zahl der interessierten Unternehmen übersteigt unsere Erwartungen bei weitem""

Auf der Fachmesse "Internet World" im Mai werden Spiel und Konzept der Firma präsentiert, die ständig nach neuen Mitarbeitern sucht - bis Ende des Jahres sollen es 25 sein. Dort kann man natürlich auch live gegen die dunkle Internet-Macht DARQ in die Schlacht ziehen. Das so genannte "Erfolg-Reich-Spiel" soll fünf Wochen lang laufen, bis zum 19. Juni. Einsteigen können Studenten jederzeit, bis zur Lösung sind rund drei Stunden Spielzeit erforderlich. Den pfiffigsten Spielern winken Preise bis zu 100.000 Mark. Und vielleicht ein Jobangebot von NetEddy.Infos und Anmeldung unter

www.cyquest.de

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