Gesundheit : Studenten sprengen Senatssitzung

Eine kleine Gruppe lässt den Streik an der FU Berlin eskalieren

Anja Kühne

Eierwürfe, Prügeleien, Polizei – die Sitzung des Akademischen Senats der Freien Universität am Mittwoch platzte, noch bevor sie begonnen hatte. Etwa 30 Studenten wollten an der Sitzung, bei der über die Sparvorschläge des Präsidiums abgestimmt werden sollte, teilnehmen. Männer einer Wachschutzfirma aber ließen nur 15 in den Sitzungssaal des Henry-Ford-Baus: Die Statik halte zu viele Menschen nicht aus. „Reinlassen, reinlassen!“, skandierten die Studenten nun und bliesen auf Trillerpfeifen. Es kam zu Rangeleien mit dem Wachschutz.

Während drinnen die Mitglieder des Akademischen Senats mit den Studenten zu diskutieren begannen, schwoll vor der Tür der Lärm an. Schließlich drängten sich die Studenten an den Wachleuten vorbei und hämmerten gegen die Glastür des Sitzungssaals. Dann begannen sie, auf- und abzuspringen – und die Saaldecke bebte bedrohlich. Dieter Lenzen, der FU-Präsident, erklärte die Sitzung angesichts der drohenden Eskalation für beendet. Als die Mitglieder des Akademischen Senats den Raum durch die Universitätsbibliothek verlassen wollten, wurden sie dort bereits von mehreren Dutzend Studenten erwartet. Eierwürfe trafen Lenzen und den ersten Vizepräsidenten, Klaus Hempfer. Die Studenten blockierten die Ausgänge; kleinere Gruppen verfolgten flüchtende Professoren bis zu deren Autos.

Ein eigentlich unbeteiligter Wissenschaftler versuchte, die Blockade zu durchbrechen. Es kam zu Handgreiflichkeiten, die Brille eines Blockierers ging zu Bruch. Studenten umringten den Forscher und riefen nach der Polizei. Die kam tatsächlich mit mehreren Einsatzwagen – allerdings auf einen Hilferuf der Unileitung. Die Polizeipräsenz beruhigte die Lage. Die Studierenden diskutierten nun noch eine Weile mit Professoren. Ein Student empörte sich, der Akademische Senat setze das falsche politische Zeichen, wenn er Sparvorschläge absegne: „Wir stehen uns hier drei Wochen die Beine in den Bauch und dann wird das alles einfach ohne Diskussion durchgeplant“.

Vollkommen friedlich verlief dagegen bis zum Abend die Besetzung einer Filiale der Berliner Bank durch Studenten der Universität der Künste. Am Morgen begannen 30 Kunststudenten im Vorraum der Geschäftsräume in der Hardenbergstraße eine Sitzblockade. Die Affäre um die Bankgesellschaft sei Mitschuld an den Kürzungen im Hochschulbereich, sagte eine Sprecherin.

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