Gesundheit : Studentenfutter zu ehrlichen Preisen

INGO BACH

Die Food-Coops an den Unis bieten ihren Mitgliedern Bio-Produkte billiger anVON INGO BACHAn den Wänden des kleinen Raumes stapeln sich Müsli, Tee, Brotaufstriche, Obst und Gemüse - alles aus kontrolliert-biologischem Anbau.Scheinbar nichts unterscheidet ihn von einem Tante Emma-Laden für Bio-Produkte.Erst auf den zweiten Blick werden die Unterschiede klar, spätestens, wenn es ans Bezahlen geht."Vor dem Einkauf Mitglied werden!" fordert neben der Kasse ein Schild.Denn hier handelt es sich um eine Einkaufsgemeinschaft - die Food-Coop der Humboldt-Uni, die in der Baracke an der Dorotheenstraße untergebracht ist. Das Prinzip der Food-Coop ist einfach: Jedes Mitglied zahlt bei der Aufnahme eine bestimmte Summe in einen gemeinsamen Topf, die bei Austritt wieder rückerstattet wird.Aus diesem Fond wird der Einkauf der Waren vorfinanziert.Da es bei den Food-Coops nicht um Profit geht, sondern um den Eigenbedarf der Mitglieder, sind die Produkte konkurrenzlos billig.Für Studenten, die bei Lebensmitteln oft nur das Preis/Sättigungsverhältnis sehen, ist das ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Die Einkaufsgemeinschaft an der HU nennt sich "Futterkollektiv" und wurde vom Ökoreferat des Referentenrates der HU (AStA) im November letzten Jahres gegründet.Seit dem 24. April ist die Food-Coop nun regelmäßig geöffnet.Man wende sich vor allem an Studenten und Mitarbeiter der HU, sagt Ökoreferent Oliver Stoll, trotzdem könne jeder Mitglied werden."Man kann auch erstmal zum Schnuppern hier einkaufen, aber spätestens nach dem dritten Mal muß man unterschreiben." Zur Zeit hat die Food-Coop etwa 40 Mitglieder, davon zehn wissenschaftliche Mitarbeiter.Jeder muß 20 Mark hinterlegen, die nach Austritt wieder zurückgezahlt werden.Statt des bei anderen Food-Coops üblichen monatlichen Beitrages werden beim "Futterkollektiv" auf den Einkaufspreis zehn Prozent aufgeschlagen, um den Verlust durch Verderb auszugleichen.Profit werde damit nicht gemacht, versichert Stoll.Die anfallenden Arbeiten werden von Mitgliedern der Coop ehrenamtlich erledigt. Bestellungen aufzugeben und die Finanzen zu verwalten ist nicht jedermanns Sache, weiß Oliver Stoll."Aber wir haben zwei Leute, die schon Erfahrungen mit Food-Coops gesammelt haben." Martin Dürmuth ist einer von ihnen.Bevor der Politikstudent 1996 an die HU wechselte, war er an der Uni Heidelberg, wo seit 1995 eine studentische Food-Coop existiert."Wir hatten 80 Mitglieder, allerdings auch mindestens doppelt so viel Platz wie hier", sagt Dürmuth. Das Futterkollektiv bemüht sich, den Zwischenhandel so weit wie möglich auszuschalten.Die Frischware wie Obst und Gemüse kommt direkt von Biohöfen aus Brandenburg.Bei Trockenprodukten wie Müsli oder Tee geht das aber noch nicht ohne den Großhandel.Denn das Ziel sei vor allem, den Studenten erschwingliche Bioprodukte zu bieten, sagt Stoll."Wir sind etwa 20-50 Prozent unter den Preisen von Bioläden." Außer beim Brot, das mit durchschnittlich fünf Mark nur wenig billiger ist.Hier sind die 10 Prozent Aufschlag fast ein Wettbewerbsnachteil."Wir werden das bald nach unten korrigieren, wenn wir wissen, wieviel tatsächlich durch Verderb verlorengeht", verspricht Stoll. An der TU existiert schon seit sieben Jahren eine ähnliche Einkaufsgemeinschaft.Zur Zeit habe man etwa 25 Mitglieder, sagt Knut Marck, BWL-Student an der TU.Allerdings habe man aus Kapazitätsgründen nur Platz für etwa 30 Mitglieder.Die Produktpalette der TU-Food-Coop umfaßt alles, was an Bioprodukten zu haben ist, auch Kosmetika."Wir sind wie ein Lager organisiert, feste Öffnungszeiten gibt es nicht", sagt Marck.Jedes Mitglied habe Zugang zu dem Raum auf dem TU-Gelände, dessen genaue Lage Marck nicht verraten will - "das hat alles viel mit Vertrauen zu tun." Auf Vertrauen basiert auch der Einkauf.Jedes Mitglied überweist eine selbstgewählte Summe auf das Food-Coop-Konto, die er sich in einem Heft selbst gutschreibt und wofür er einkaufen kann.Ist der Kredit aufgebraucht, muß erneut eingezahlt werden. Die fällige Einlage beträgt zur Zeit 150 Mark; hinzu kommt ein Monatsbeitrag von drei Mark.Die Preise der Waren sind dafür nur die reinen Einkaufspreise und liegen im Schnitt etwa ein Drittel unter den Ökoladen. Darin sieht Oliver Stoll von der HU kein Problem: "Die studentischen Food-Coops sind keine Konkurrenten zu den etablierten Ökoläden, im Gegenteil!" Durch die Tiefpreise gewinne man Studenten für Bioprodukte und erweitere so den Absatzmarkt."Wenn die Studenten dann irgendwann gut verdienen, sind sie sicher gute Kunden der normalen Bioläden." "Futterkollektiv" der HU, Dorotheenstr.12, Tel.20 93 26 14, Öffnungszeiten: Mittwoch, Donnerstag 14 - 16, Freitag 10 - 12 Uhr; Food-Coop der TU, Kontakt: 322 26

0 Kommentare

Neuester Kommentar